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Verschwörungstheorien können zu Radikalisierung und Gewalt führen und das Vertrauen in Demokratien schwächen. Warum glauben Menschen an abstruse Theorien? Ein Vortrag des Amerikanisten Michael Butter.

Wer an Verschwörungstheorien glaubt, ist oft nur noch schwer zugänglich für Argumente. Das kann für Freunde und Angehörige sehr anstrengend sein. Aber sind Verschwörungstheorien immer gefährlich? Der Amerikanist Michael Butter forscht zu Verschwörungstheorien. Er sagt: Nicht jeder Verschwörungsglaube ist gleich gefährlich.

"Verschwörungstheorien können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Menschen sich verpflichtet fühlen, zur Waffe zu greifen."
Michael Butter, Amerikanist

Verschwörungstheorien können dazu führen, dass Menschen gewaltbereit werden, erklärt Michael Butter. Sie könnten sich sogar verpflichtet fühlen, zur Waffe zu greifen. "Denn wenn man denkt, ich habe erkannt, dass da ein großes Komplott in Gange ist, dann hat man vielleicht auch die Verpflichtung, ich muss da jetzt was dagegen tun", sagt der Amerikanist.

Das Feindbild ist entscheidend

Wenn sich Verschwörungstheorien allerdings nur vage gegen "die da oben" richten, sind sie unbequem und unangemessen, aber nicht unbedingt direkt gefährlich, analysiert Michael Butter. Problematisch werde es nur, wenn es persönlich wird, also wenn sich die Theorie auf den Gesundheitsminister richtet oder die Kanzlerin – wie es in der Corona-Pandemie der Fall war.

"Solange sie vage bleiben, sind Verschwörungstheorien, die sich gegen 'die da oben' richten, vielleicht unbequem und unangemessen, aber nicht unbedingt direkt gefährlich."
Michael Butter, Amerikanist

Im Gegensatz dazu sind Verschwörungstheorien, die sich gegen stigmatisierte Gruppen richten – also gegen Geflüchtete zum Beispiel – gefährlicher, wenn sie allgemein gehalten sind, erklärt Michael Butter. Die Art des Feindbildes ist also entscheidend dafür, wann Verschwörungstheorien gefährlich werden.

Sozialstaatliche Strukturen

Der Glaube an Verschwörungstheorien nimmt ab, je mehr Menschen sich als einflussreich und ernst genommen fühlen und je besser sozialstaatliche Strukturen ausgebildet sind, sagt Michael Butter.

"Man kann Verschwörungstheorien als ein Symptom lesen, das uns auf Missstände hinweist, die in der Gesellschaft vorherrschen."
Michael Butter, Amerikanist

Wir sollten daher verhindern, dass Menschen das Gefühl eines Kontrollverlustes erleiden, wenn sie zum Beispiel arbeitslos werden oder erkranken, denn dieses Gefühl mache anfällig für Verschwörungsglauben.

Michael Butter ist Professor für Amerikanische Literatur und Kulturgeschichte an der Uni Tübingen. Im Podcast imPACT-Dialoge spricht er regelmäßig mit anderen Forschenden, die auch zu Verschwörungstheorien forschen. Seinen Vortrag "Was Verschwörungstheorien anrichten und was wir dagegen tun können" hat er am 22. Juni 2026 im Rahmen der Ringvorlesung "Wehrhafte Demokratie - Resilienz, Sicherheit, Verteidigung" an der Uni Heidelberg gehalten.

Shownotes
Verschwörungstheorien
Nicht jeder Irrglaube ist gleich gefährlich
vom 10. September 2026
Moderation: 
Nina Bust-Bartels
Vortragender: 
Michael Butter, Amerikanist, Uni Tübingen
  • Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?
  • Wann und wie können Verschwörungstheorien gefährlich werden?
  • Was richten Verschörungstheorien an?
  • Wie sollte man Verschwörungstheorien begegnen?
  • Wie kann man mit Verschwörungstheoretikern reden?