Wenn der FC Bayern zwei Elfmeter verschießt, lässt der Spott im Netz nicht lange auf sich warten. Was keine langfristigen Folgen haben wird, zerstört manchmal eine ganze Jugend: Ghyslain Raza war jahrelang ein Video peinlich, das im Netz kursiert. Seine Mitschüler nutzten das aus.

Nachdem der FC Bayern im DFB-Pokal auch deshalb gegen Borussia Dortmund rausgeflogen ist, weil zwei der Elfmeter-Schützen ausgerutscht sind, ließ der Spott im Netz nicht lange auf sich warten. Da gab es Links auf die Stoppersocken im Bayern-Fanshop, auf nagelbestückte Vertikutier-Anschnallsohlen aus dem Gartenbedarf, andere montierten in Screenshots einen Maulwurf an den Elfmeterpunkt.

Der übliche Spott, vermutlich nicht weiter schlimm. Philipp Lahm und Xabi Alonso sind Profis, kennen das Geschäft, und die Häme war nach ein paar Tagen wieder vorbei. Lange peinlich wird ihnen ihr Ausrutscher nicht gewesen sein.

Alles schwer peinlich

Ganz anders lief das beim Kanadier Ghyslain Raza. 2002, damals war er 14, träumt er davon, ein Jedi-Ritter oder Sith-Lord zu sein. Und genau dafür trainiert er mit einer Golfballangel als Laser-Schwert in einer Turnhalle. Er nimmt sich dabei mit einer Videokamera selbst auf.

Ein Mitschüler findet das Band. Das Video landet im Netz, verbreitet sich schnell - Ghyslain wird zum "Star Wars Kid". Es tauchen Variationen und Parodien im Netz auf. Alles sehr komisch, nur nicht für Ghyslain selbst. Er wird selbst nach einem Wechsel der Schule so massiv verspottet, dass er psychotherapeutische Behandlung benötigt. Es ist ihm alles schwer peinlich.

Mut-Macher

Über zehn Jahre versucht Raza jede Verbindung zwischen seiner Person und dem "Star Wars Kid" abzublocken. 2013 spricht er in einem kanadischen Nachrichtenmagazin zum ersten Mal öffentlich über sein Netz-Trauma, um anderen Jugendlichen Mut zu machen, die ebenfalls von Cyber-Mobbing betroffen sind.

Manch andere Personen hätten das ganze vielleicht mit Humor genommen oder sogar Kapital aus der Prominenz geschlagen. Ghyslain waren sein Star-Wars-Training und was daraus gemacht wurde peinlich. Mit der Scham konnte er nur schwer leben.