Russisch, Italienisch, Suaheli, Gotisch, Maya und Amharisch: Das sind sechs der 32 Sprachen, die Ioannis Ikonomou fließend sprechen kann. "Sprache ist Liebe", sagt er und lernt fleißig weiter. Seinen Arbeitgeber wird es freuen: Er arbeitet als Übersetzer für die EU-Kommission.

Ioannis Ikonomou ist (fast) ein "Allessprecher". Mit seiner Liebe für Sprachen arbeitet er als Übersetzer für die EU-Kommission in Brüssel. Für ihn braucht es beim Lernen von Sprache aber kein Talent, Ioannis Ikonomou geht es vielmehr um die Hingabe. Das Erlernen von Sprachen sei eine Lebensweise: Er ist nicht nur an der Sprache eines Landes interessiert, er möchte das Komplettpaket – Kultur, Menschen, Geschichte inklusive. "Wenn du dich in jemanden verliebst, willst du doch auch die ganze Geschichte dieser Person kennen", sagt er.

"Beim Lernen von Sprache geht es nicht um Talent – es geht um Liebe, um Leidenschaft."
Ioannis Ikonomou, Übersetzer bei der EU-Kommission

Seine Motivation: die Neugier. Auf Kreta geboren, ist Ioannis Ikonomou als kleines Kind vielen Touristen aus aller Welt begegnet. Er fand die Menschen sehr spannend, nur verstehen konnte er ihre "Laute" nicht. Als er dann im Alter von fünf Jahren in der Schule Englisch lernte, machte plötzlich alles einen Sinn: Langsam begriff der Allessprecher, worum es in den Gespräche der Touristen ging. Für ihn war das Entdecken von Sprache ähnlich bedeutsam wie die Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus.

"Damals wie heute bin ich sehr neugierig. Ich möchte alles über andere Kulturen lernen. Ich möchte wissen, wie die Leute in ihrem Land leben, was sie denken. "
Ioannis Ikonomou, Übersetzer bei der EU-Kommission

Seitdem ging es immer weiter: Mit sieben lernte er Deutsch, mit zehn Italienisch und mit 13 Russisch. Suaheli, Gotisch, Maya und Amharisch kamen später dazu – aus Spaß. Auf dem PC schaut er sich chinesisches oder ungarisches Fernsehen an, alles, was gerade läuft. Er chattet stundenlang auf Russisch, Türkisch, Bulgarisch oder mit Amharisch-Sprechern aus Äthiopien.

Mit Neugier und Hingabe immer mehr lernen

Der Allessprecher kann fast alle Amtssprachen der EU-Mitgliedstaaten. Seinen Job als Übersetzer liebt er. Gerade die Sonderaufträge: Wenn die EU-Kommission dringend die Übersetzung vertraulicher Dokumente aus dem Hebräischen, Chinesischen und Aserbaidschanischen braucht. "Das ist mein Beitrag für Europa", sagt er.

Gerade lernt er Quechua, eine indigene Sprache aus Peru und Bolivien. Und ganz egal, welche Sprache Ioannis Ikonomou lernt, er vergleicht sie nicht miteinander. Denn: Bei jeder Sprache gebe es andere Herausforderungen, erklärt er.

Im Interview erzählt Ioannis Ikonomou noch mehr über seine Liebe zur Sprache. Zudem berichtet er über seine kommenden Reisepläne nach Lateinamerika und er erklärt auch, wie ihr eure Zeit im Bus oder in der Bahn nutzen könnt. Kleiner Spoiler: Es hat mit Sprache zu tun. Klickt auf den Playbutton oben, dann hört ihr das ganze Gespräch und könnt zusammen mit Ioannis Ikonomou und Moderator Sebastian Sonntag rätseln, welche unserer "Geschichten vom Pferd" wahr sind und welche erfunden.