Keine Panik beim Vortrag

Gekonnt vor anderen sprechen

Im Studium passiert es oft zum ersten Mal: Für ein Referat müssen wir vor unseren Kommilitonen und der Dozentin über ein komplexes Thema sprechen. Welche Tricks wir anwenden können, um schnell fit zu werden für eine Rede vor einer Gruppe, weiß die Sprechtrainerin Ien Svea Bäumler.

Wir stehen vor einem Raum voller Leute und sollen über ein wissenschaftliches Thema referieren - und das zum ersten Mal. Den meisten von uns macht das ein wenig Angst oder es flößt uns zumindest Respekt ein.

Die gute Nachricht: Manche Fehler können wir leicht vermeiden und es gibt ein paar einfache Übungen und Kniffe, die uns helfen, schnell besser zu klingen und sicherer zu präsentieren. Oft kommt es auch darauf an, wie wir etwas sagen, um einen bestimmten Effekt damit zu erreichen. Denn auch die besten Inhalte können die Zuhörer langweilen, wenn wir mit einer zu monotonen Stimme sprechen.

Wenn wir beim Sprechen einen melodischen Singsang einbauen, ist das aber auch oft kontraproduktiv. Es wirkt zu aufgesetzt, wenig authentisch und passt nicht, wenn wir seriös rüberkommen wollen, um wissenschaftliche Fakten darzustellen.

"Wenn ich ein Problem schildere, dann mache ich mir vorher bewusst, dass es auch hörbar werden soll, dass das problematisch ist. Das darf ich nicht so 'dauerfreundlich' sagen."
Ien Svea Bäumler, Sprechtrainerin

Sprechen leicht gemacht - Tipps und Tricks

Einer der grundlegendsten Tipps, den die Sprechtrainerin Ien Svea Bäumler gibt, ist, dass wir früh genug damit anfangen, das Sprechen eines Referats oder einer Rede, die wir halten wollen, zu üben. Und am besten nehmen wir uns selbst dabei auf. Die Sprechtrainerin sagt, dass wir mithilfe einer Aufnahme erst hören können, ob wir monoton, zu schnell, zu hoch oder zu leise klingen.

Das Problem ist, dass wir oft gedanklich viel zu sehr mit dem Inhaltlichen beschäftigt sind. Wir konzentrieren uns auf die Struktur des Vortrags oder achten auf die Reaktionen des Publikums und merken dann gar nicht, dass wir vielleicht in eine extreme Sprechhaltung hineingerutscht sind. Wir klingen zu künstlich oder sprechen zu schnell und legen möglicherweise nicht genug Emotionen in unsere Worte hinein - oder vielleicht auch zu viele.

Ein emotionales Storyboard erstellen

Vielen fällt es oft leichter, eine Rede zu halten, wenn sie vorher ein emotionales Storyboard erstellen. Das bedeutet, wir überlegen uns genau - und markieren das auch in unserer Textvorlage - an welcher Stelle wir etwas Bestimmtes ausdrücken wollen und wie wir diesen Gefühlszustand stimmlich transportieren können. Wir wollen ein bestimmtes Problem beschreiben? Dann sollten unsere Zuhörerinnen das auch anhand der Stimme hören können, sagt Sprechtrainerin Ien Svea Bäumler.

Wenn wir uns freuen, uns über eine bestimmte Sachlage ärgern oder besorgt sind, so darf und sollte der Zuhörer diese Emotion auch in unserer Stimme hören, sagt die Sprechtrainerin. Zumindest kann das helfen, authentisch zu wirken und die Inhalte unserer Rede zu vermitteln. Wenn wir als Expertin zu einem Thema sprechen, ist es aber auch wichtig, dass wir eine gerade Sprachmelodie wählen, um die Fakten seriös und überzeugend vortragen zu können, sagt Ien Svea Bäumler. Zu viele melodische Schlenker nach oben oder unten können dann eher ablenken.

"Wenn ich halb außer Atem oder sehr nervös bin, dann wirkt sich das natürlich sofort auf das Nervensystem aus und die Stimme ist da leider - oder auch zum Glück - sehr transparent."
Ien Svea Bäumler, Sprechtrainerin

Morgens, wenn wir aufstehen, sollten wir etwas trinken, um unserer Stimme schon mit Flüssigkeit ein kleines Warm-up zu bieten. Und auch ein paar Sprechübungen helfen unserer Stimme, stabil, sicher und laut genug zu klingen. Ien Svea Bäumler empfiehlt zum Beispiel, Wochentage oder Monatsnamen etwas lang gedehnt auszusprechen.

Wie das klingt und noch ein paar andere Tipps, könnt ihr erfahren, wenn ihr euch das Interview mit Sprechtrainerin Ien Svea Bäumler anhört, das ihr weiter oben im Audioplayer findet.