Der Theodor-Heuss-Ring ist eine der meistbefahrensten Straßen in Kiel. Ganz in der Nähe von ihm wurden riesige Luftfilteranlagen aufgestellt, die die Luftverschmutzung der Stadt senken sollen. Noch nicht alle sind von ihrer Wirksamkeit überzeugt.

Sechs weiße, große Boxen stehen auf einem 200 Meter langen Abschnitt hintereinander auf dem Fahrradweg neben dem Theodor-Heuss-Ring. Sie sollen die Rettungsringe für die Stadt Kiel und das Land Schleswig-Holstein sein. Denn seit mehreren Jahren gehören die Stickoxidwerte, die an dieser Straße gemessen werden, zu den höchsten in ganz Deutschland, sagt Johannes Kulms, Dlf-Korrespondent für Schleswig-Holstein.

"Seit mehreren Jahren gehören die am Theodor-Heuss-Ring gemessenen Stickoxidwerte zu den höchsten der Republik."
Johannes Kulms, Dlf-Korrespondent für Schleswig-Holstein

Neben diesen sechs Luftreinigern, die seit einem Monat dort stehen, hat die Stadt Kiel auch ein neues Jobticket eingeführt, das die Kieler in den Nahverkehr locken soll. Das Oberlandesgericht hat allerdings schon vor vier Monaten bescheinigt, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen werden. Doch die Stadt versucht ein Verbot für Dieselfahrzeuge, die das eigentliche Problem sind, unbedingt zu verhindern.

Dreckige Luft rein, saubere Luft raus

Das Prinzip der Luftreiniger funktioniert so: An beiden Längsseiten befinden sich Schlitze. Auf der zur Straße zugewandten Seite nehmen diese Schlitze die verschmutzte Luft auf und auf der anderen Seite soll diese Luft für Fußgängerinnen, Radfahrer und Anwohnerinnen wieder gereinigt herauskommen.

Annika, die eigentlich anders heißt, wohnt seit zwei Jahren am Theodor-Heuss-Ring. Sie hat schon bemerkt, dass es hier am Anfang sehr stark nach Abgasen gerochen hat, wenn das Fenster offen war. Das ist jetzt nicht mehr so. Doch ob das an den neuen Reinigern liegt oder daran, dass der Verkehr aufgrund einer Baustelle derzeit nur einspurig verläuft, kann sie natürlich nicht beurteilen. Die Deutsche Umwelthilfe hat dagegen bereits vor Gericht die Wirksamkeit der Filter bezweifelt.

Blockierter Radweg

Grundsätzlich sieht Annika die Luftreiniger als einen lohnenswerten Versuch an, doch eine Sache stößt ihr dabei sehr sauer auf: Die Luftreiniger stehen auf dem Fahrradweg. Sie müsse in diesem Abschnitt um die Reiniger herumfahren und dabei aufpassen, keine Fußgängerinnen und Fußgänger zu erwischen.

"Ich rege mich auf, dass diese Stadtluftreiniger mitten auf dem Fahrradweg stehen. Man ist gezwungen, immer im Slalom zu fahren. Und die Fußgänger halb umzufahren. Das kann nicht sein!"
Annika, Anwohnerin am Theodor-Heuss-Ring

Ihrer Meinung nach hätten die Aussparungen nicht auf Kosten des Radwegs, sondern der befahrenen Autostraße gehen sollen.

Luftfilteranlagen als Überbrückung

Kiel ist nicht die einzige Stadt, die mit hohen Stickoxidwerten zu kämpfen hat. Auch in Stuttgart kommen ähnliche Filteranlagen schon zum Einsatz. Robert Krüger, Geschäftsführer von Purevento - der Marke, die in Kiel eingesetzt wird - erzählt, dass sie bereits Anfragen aus größeren Städten wie Paris oder Madrid erhalten hätten. Denn die Anlagen seiner Firma seien auch in der Lage, den Feinstaub aus der Luft zu filtern. Gerade für Megacitys in Asien könne das eine Chance sein.

In Kiel soll es aber erstmal eine Stufe kleiner funktionieren. Die Stickoxidwerte sollen unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gedrückt werden. Krüger ist zuversichtlich, dass die Stickstoffreduktion um 20 Prozent, die die Stadt Kiel in Auftrag gegeben hat, innerhalb eines Jahres erreicht werden könne.

"Wir sind angetreten, um im Schnitt eine etwa 20-Prozentige Stickstoffdioxidreduktion über das gesamte Jahr zu erreichen."
Robert Krüger, Geschäftsführer des Luftreinigerherstellers Purevento

Auch Robert Krüger ist bewusst, dass seine Technologie keinen Einfluss auf die eigentliche Ursache des Stickstoffproblems, nämlich die hohe Anzahl an Dieselfahrzeugen, hat. Er sieht seine Geräte vielmehr als eine Art Brückentechnologie an. Man könne die noch für drei bis vier Jahre als Überbrückung anwenden und dann löse sich das Problem durch die natürliche Auslese der alten Dieselfahrzeuge sowieso von selbst.