Eine Studie zeigt: Künstliche Intelligenz kann Menschen an ihren Tanzbewegungen erkennen. Nur bei einem Musikgenre klappt das nicht.

Ursprünglich haben Forschende der Universität Jyväskylä aus Finnland eine Künstliche Intelligenz darauf trainieren wollen, aus Bewegungsmustern von Tanzenden das Musikgenre abzuleiten. Wie Emily Carlson, Pasi Saari, Birgitta Burger und Petri Toiviainen im Journal of New Music Research schreiben, hat das in einem Versuch mit 73 Tanzenden aber nur bei rund 30 Prozent geklappt.

Stattdessen ist der Software gelungen - für das Team völlig überraschend - die Teilnehmenden an ihren Bewegungsmustern beim Tanzen zu erkennen. Das hat mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent geklappt. Egal zu welcher Art von Musik die Menschen tanzen, offenbar bewegen sie sich immer in einer für sie typischen, wiedererkennbaren Weise.

Individuelle Bewegungen

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ina Plodroch hat sich bei Tanzenden umgehört, die zwar nicht an der Untersuchung teilgenommen aber eigentlich alle ihre eigene Tanzbewegungen haben. Außerdem hat sie mit Joana Tischkau gesprochen. Sie ist Tanzprofi und sagt, dass sie selbst auch die typischen Bewegungen von Individuen erkennen kann.

"Manchmal, wenn ich jemanden im Studio treffe, brauche ich zwei, drei Minuten, dann erkenne ich die Person, auch wenn ich nie mit ihr geredet habe."
Reut Shemesh, Tänzerin

Die Tanzspezialistin Joanna Tischkau weist darauf hin, dass beispielsweise Hip-Hop eine ganz bestimmte Grundlage hat – wegen des Basses. Tanzende wären relativ locker und würden die Knie immer leicht beugen, wenn sie zu Hip Hop tanzen.

"Hip-Hop hat eine bestimmte Grundlage und die ist erst einmal diesem Bass geschuldet. Man hat immer so leicht Beugung in den Knien. Man ist relativ locker."
Joanna Tischkau, Choreografin, Performerin, Tänzerin, Performance-Kollektiv SheShePop

Die Forschenden aus Finnland ermitteln hingegen Bewegungsmuster. Sie haben motorische Fingerabdrücke erfasst, unabhängig davon, zu welchen Genres die Studienteilnehmer getanzt haben.

Bei einer Musikrichtung hatte sie allerdings ein Problem: Zu Metal haben ihre Versuchspersonen so ähnlich getanzt, dass die Künstliche Intelligenz die einzelnen Tänzer nicht wieder erkannt hat. Headbanging ist halt wenig individuell.