"Der klingt ja voll schwul", ist eine homophobe Aussage. Tatsächlich ordnen wir aber Männer nach dem Klang ihrer Stimme in schwul oder hetero ein.

Schwule müssen weiblich klingen. So lautet einer der Stereotypen, mit denen homosexuelle Männer kategorisiert werden. Denn tatsächlich gibt es keine schwulen Stimmen. Nur Männer, die mit einer höheren oder weiblicheren Klangfarbe sprechen als andere. Doch woran liegt das? Das wollte David Thorpe von der New York Times herausfinden. Auch weil er selbst schwul ist und befürchtet, dass andere seiner Stimme seine sexuelle Neigung anhören könnten, bevor er selbst dazu bereit sei, darüber zu sprechen.

Für seine Recherche hat David Thorpe mit zwei Männern gesprochen. Der Eine spricht mit einer sehr hohen, hellen und weiblichen Stimmlage. Der Andere mit einer sehr tiefen, sonoren und männlichen. Zu diesen Stimmproben hat David Thorpe den Linguisten an der Universität Minnesota interviewt. Der Wissenschaftler begründet die Stimmlagen mit der Sprachlernumgebung der Männer. Im Säuglings- und Kleinkindalter wird unsere Sprache geprägt, wir orientieren uns an den Stimmen unserer Umgebung, imitieren sie. So lernen wir sprechen. Weil der Mann mit der "schwulen" Stimme hauptsächlich nur mit Frauen aufgewachsen ist, hat er sich an dem weiblichen Klang orientiert. Während der Mann mit der "voll männlichen" Stimme vor allem unter Männern aufgewachsen ist.

Der feine Unterschied

Der Linguist und Psychologe Ron Smyth von der Universität Toronto untersucht die unterschiedlichen Klangbilder von Frauen und Männern. Beispielsweise würden Frauen das stimmhafte "S" etwas anders aussprechen als Männer. Und schon anhand von diesen geringfügigen Varianten würden wir Stimmen als weiblich oder männlich einordnen.

Tatsächlich ist in David Thorpes Kurz-Doku der Mann mit der "schwulen" Stimme heterosexuell, verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Während der Mann mit der "voll männlichen" Stimme schwul ist.