Ei oder stirb. Jedes Jahr werden in Deutschland circa 50 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen. Doch damit soll bald Schluss sein. Das eigentliche Problem der Hühnertötung werde aber nicht angegangen, kritisiert Silvia Bender von der Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND.

Da männliche Küken keine Eier legen können, werden jedes Jahr circa 50 Millionen Tiere getötet. Jetzt hat der Verbandspräsident der Geflügelzüchter angekündigt: Es soll bald Schluss sein mit dem Kükentöten. Möglich machen das Verfahren, die schon im Ei erkennen können, ob es ein männliches oder ein weibliches Küken wird. 

Dass die Tiere nicht mehr getötet werden sollen, sei natürlich eine gute Nachricht, sagt Silvia Bender vom BUND, aber:

"Es handelt sich um eine End-Of-Pipe-Lösung. Das heißt, man löst das Problem, ganz am Schluss."
Silvia Bender, Umwelt und Naturschutzorganisation​ BUND

Das Problem, dass unsere Gesellschaft keinen Nutzen für die männlichen Tiere habe, werde nicht angegangen, kritisiert Bender. Für die Zucht schlägt der BUND beispielsweise die "Zweinutzung" vor, bei der das eine Huhn Eier legt und das andere Tier für die Fleischproduktion gemästet wird. Das würde sich natürlich preislich bemerkbar machen, Eier und Fleisch dürften teurerer werden. Im Biobereich gebe es bereits Versuche, mit Rassen zu arbeiten, die zwar weniger Eier legen, dafür aber die Nutzung des männlichen Huhns quer finanzieren, so Bender.

Kükentötung gerichtlich legitimiert

Für Eierproduzenten sei es momentan absolut unökonomisch, männliche Küken in Legebetrieben leben zu lassen und sie für die Fleischproduktion zu mästen, sagt Bender. 

"Ein männliches Legehennenküken setzt in 30 bis 35 Tagen 850 Gramm Fleisch an, unsere klassischen Masthühner im selben Zeitraum 2100 Gramm."
Silvia Bender, Umwelt und Naturschutzorganisation​ BUND

Das Töten der männlichen Küken aus ökonomischen Gründen sei sogar gerichtlich anerkannt, so Bender. So hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster entschieden, dass das Töten männlicher Küken nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße - auch weil den Brütereien aktuell keine praxistauglichen, ökonomisch tragbaren Alternativen zur Verfügung stehen.