Wangerooge hat mal wieder seinen Strand verloren – ans Meer. Für den Küstengeologen Klaus Schwarzer ist das ganz normal. Hier erklärt er den Sandkreislauf.

Jedes Jahr lassen Sturmfluten den Badestrand der Nordseeinsel Wangerooge schrumpfen. Das ist vor allem ein Problem für den Tourismus. Es bleibt zu wenig Platz für Strandkörbe. Meistens fehlen etwa 50 Prozent der Sandmenge, hat der Bürgermeister der Insel erklärt. Im Winter 2019/2020 sind etwa 80 Prozent abgetragen worden. Wind und Wasser halten den Sand an den Küsten in ständiger Bewegung. Erosion nennt das der Küstengeologe Klaus Schwarzer, ein völlig normaler Prozess.

Sanderosion auf den Nordseeinseln findet auf einem regelrechten Sandtransportband statt, sagt der Geologe. Darauf wird der Sand von Inseln zu Insel, von West nach Ost in der folgenden Reihenfolge weitergereicht: Borkum, Nordland, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und schließlich Wangerooge. Der Transport findet auf einer genordeten Karte also von Links nach Rechts statt. Der Sandverlust der einen Insel, ist der Sandgewinn der nächsten Insel weiter im Osten. Deswegen sind die Nordseeinseln in der Regel im Westen stark befestigt, im Osten finden sich schöne, sandige Bereiche.

"Zwischen den Inseln gibt es die sogenannten Seegaten. Um die Seegaten laufen sogenannte Riffbögen, das sind Sandtransportbänder. Nun ist Wangerooge leider die Insel, die am östlichen Ende ist."

Wangerooge ist die östlichste Insel in der Reihe. Der Sand der hier abgetragen wird, lagert sich an keiner weiteren Insel ab. Er bewegt sich ins Meer. Dennoch: Soweit ist die Stranderosion ein ganz natürlicher Vorgang.

Viele Stürme, weniger Sand

Die Vielzahl der schweren Flutereignisse allerdings, über mehrere Winter hintereinander, sorge dafür, dass mehr Sand abgetragen worden ist, als gewöhnlich, sagt Klaus Schwarzer.

"Das Unnatürliche jetzt ist, ist dass wir so viele Stürme hintereinander hatten und die Menge, die rausgetragen wurde, größer ist, was die Situation am Strand dramatischer erscheinen lässt."

Aber auch der abgetragene Sand im Meer hat eine Funktion. Vor den meisten Nordseeinseln liegt ein Sandriffsystem, meist völlig unter der Meeresoberfläche. Diese Riffe schützen die Küsten vor Erosion. Große Wellen brechen dort bereits, ihre Energie erreicht die Küsten nicht.

Sand zum Küstenschutz

Auch der Küstenschutz verteilt deswegen auf diese effiziente Art Sand direkt im Wasser vor der Küste, anstelle Sand ins Trockene zu transportieren.

"Bei Sandvorspülung, spült man das Material nicht mehr auf die Strände, sondern direkt vor der Küste in das Wasser. Da, wo das Sandriffsystem ist, weil das viel kostengünstiger ist."

Der Küstengeologe weist darauf hin, dass auf Wangerooge der Strand allein schon aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausreichend Fläche bieten sollte. Der Mensch müsse allerdings im Gegensatz zur Natur darauf achten, woher er den Sand nehme. Naturschutzgebiete etwa seien dafür nicht geeignet.

"Manchmal landet der Sand auch in Gebieten, die unter Naturschutz stehen, weil da Vögel brüten. Dann dürfen sie da nicht mehr rangehen."