Ein bisschen Werbung kann den besten Film kaputtmachen. Amazon lässt sich die Werbefreiheit seit kurzem bezahlen. Noch gibt es Wege, die Werbespots auch ohne Preiserhöhung zu umgehen.

Amazon macht ernst. Jetzt werden Filme und Serien des Anbieters mit Werbeclips gestreamt. Laut golem.de sind es maximal zwei Werbeblöcke pro Film oder Serienepisode. "Die Werbeblöcke sind maximal dreißig Sekunden lang, ein Block kommt vor dem Film und einer mittendrin", sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat. Bei kurzen Serienepisoden kommen rund drei Minuten Werbung pro Stunde zusammen. Bei Spielfilmen ist der durchschnittliche stündliche Wert niedriger.

"Mit nur einer Unterbrechung im Film nervt Amazon Prime also deutlich weniger als Netflix, wo es bis zu sechs Pausen gibt."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Zwar lassen sich die Werbepausen bei Amazon nicht überspringen, wer auf das sogenannte Kinderprofil umschaltet, bleibt von der Werbung verschont. Das funktioniert aber logischerweise nur bei Filmen oder Serien mit Altersfreigabe bis FSK-12. Auch Netflix verzichtet bislang auf Werbung im Kinderprofil und hat das zumindest für Eigenproduktionen zugesichert, berichtet Michael Gessat.

Werbehinweis fehlt

Derzeit strengen Verbraucherzentralen Verfahren gegen Amazon an, um prüfen zu lassen, ob die Umstellung bei Prime eine unzulässige Produktverschlechterung und Preiserhöhung ohne Einwilligung der Kund*innen ist. Golem bemängelt außerdem, dass Amazon bei Neuabschluss eines Prime-Abos momentan nicht explizit darauf hinweist, dass man ein Abo mit Werbung abschließt.

Werbefilter, die auf Streamingboxen aufgesetzt sind, funktionieren anscheinend bei Amazon Prime nicht zuverlässig, weiß Michael Gessat und sagt: "Die Werbung bei Amazon Prime kommt offenbar vom gleichen Server wie der Film." Einen sicheren Ausweg gibt es momentan aber noch: Wer im Browser streamt und den Werbeblocker uBlock Origin einsetzt, kommt um die Werbung herum (Stand 06.02.2024). Den Werbeblocker gibt es beispielsweise für Chrome und Firefox.

Revival der Piraterie

Angesichts der Tatsache, dass private und kostenpflichtige Streamingangebote so beinahe flächendeckend ihre Filme und Serien mit Werbung strecken und noch ein bisschen mehr Umsatz machen, sei in Foren vielerorts von der Rückkehr zu kostenlosen Alternativen die Rede, berichtet Michael Gessat. Damit sind längst totgesagte Torrent- und andere P2P-Angebote gemeint.

"Illegale Sharingangebote scheinen tatsächlich gerade global wieder zu boomen, und zwar bei Musik und bei Film."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Netflix hat diese Optionen im aktuellen Geschäftsbericht als potentielle Gefahr für das eigene Geschäftsmodell erwähnt. Wenn allerdings Nutzende dieser Dienste in Deutschland beim Sharing identifiziert und abgemahnt werden, wird es für sie sehr teuer, warnt Michael Gessat. Übrigens: Eine sehr kostengünstige, legale Alternative können Streamingangebote der örtlichen Bibliotheken und die frei zugänglichen Mediatheken sein.

Shownotes
Streaming
Prime-Werbung ausgetrickst
vom 06. Februar 2024
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter