Wer über Amazon Prime Serien streamen will, muss künftig mehr bezahlen als bisher. Damit ist der Streaming-Anbieter nicht allein – auch bei anderen Angeboten müssen Kund*innen tiefer in die Tasche greifen. Das liegt nicht nur an der Inflation. Streaming muss aber nicht zwingend generell teurer werden in Zukunft.

Ob Sky, Netflix oder Dazn: So wie derzeit in fast allen Bereichen, steigen die Preise auch bei Streaming-Angeboten. Zuletzt hat der Konzern Amazon den Betrag für das Prime-Abo um 12 bis 20 Euro pro Jahr erhöht, je nach Abo-Modell. Das kommt wenig überraschend, sagt Medienexperte Thomas Lückerath.

Mehr Content

Denn den Kund*innen stehe immer mehr Content zur Verfügung und Amazon habe den Preis lange nicht erhöht – auch als es zusätzliche Rechte für die Übertragung der Champions League eingekauft hatte, erinnert der Medienexperte.

Gleichzeitig schränkt er ein, dass das Argument nur bedingt zähle. Schließlich erweiterte sich der Content mit der Zeit sowieso, da keine bestehenden Inhalte gelöscht oder ersetzt werden.

"Amazon Prime unterscheidet sich von anderen Streaming-Anbietern, denn das Streaming ist hier nicht das Kerngeschäft und muss sich nicht allein dadurch refinanzieren."
Thomas Lückerath, Chefredakteur des Medienmagazins Dwdl

Außerdem habe Amazon Prime im Gegensatz zu anderen Streaming-Anbietern den Vorteil, dass es sich nicht allein durch das Streaming refinanzieren muss. Eine aufwendige Eigenproduktion wie die "Herr der Ringe"-Serie wird von anderen Einnahmequellen Amazons mitfinanziert.

Wachstum allein reicht nicht

Das sieht bei Anbietern wie Netflix anders aus. Lange ging es dem Konzern mehr um das eigene Wachstum, als um den tatsächlich erzielten Gewinn. Ein Konzept das nicht von ewiger Dauer sein kann, erklärt der Medienexperte. Denn irgendwann verlangsame sich das Wachstum zwangsläufig – sei es aus geopolitischen Gründen oder weil der Markt nach und nach gesättigt ist.

"Bei vielen Anbietern wird nun klar: Die niedrigen Preise waren Lockvogel-Angebote – und jetzt kommen wir in der Preis-Realität an."
Thomas Lückerath, Chefredakteur des Medienmagazins Dwdl

Viele Streaming-Anbieter haben aber genau diese Strategie verfolgt: Es ging ihnen vor allem darum, sich schnell so viele Marktanteile wie möglich zu sichern. Deshalb haben sie mit niedrigen Preisen Kund*innen angelockt. Diese Preise können sie aber nicht mehr halten, erklärt Thomas Lückerath.

In Zukunft: Mehr Werbung

Das bedeutet für Kund*innen, dass in Zukunft nicht nur die Preise für ihre Streaming-Abos steigen werden, sondern wahrscheinlich auch, dass Werbung bald eine große Rolle spielen wird – auch wenn viele Streaming-Anbieter eben genau damit mal geworben haben, dass sie keine Werbung schalten.

"Viele Anbieter haben sich genau damit gerühmt, werbefrei zu sein. Wahrscheinlich wird es in Zukunft Werbefreiheit nur noch gegen Aufschlag geben."
Thomas Lückerath, Chefredakteur des Medienmagazins Dwdl

Diese Entwicklung wird noch spannend, glaubt der Medienexperte. Denn die Werbefreiheit sei schließlich eines der Merkmale, das die Streaming-Dienste vom linearen Fernsehen unterscheide.

Trotzdem hat Thomas Lückerath auch eine gute Prognose für Streaming-Liebhaber*innen: Noch scheint der Markt nicht gesättigt zu sein. Das heißt, es werden noch neue Anbieter hinzukommen, die wieder mit niedrigen Preisen locken – und dann müssen auch die alten Anbieter irgendwann wieder nachjustieren.