Mon dieu… Kurz vor dem Fest musste die Bahn in Frankreich mehr als die Hälfte der Schnellzug-Verbindungen streichen - weil das Personal weiter streikt. Beim Streik geht es um die geplante Rentenreform der Regierung.

Im Streit um die Rentenreform gibt es bislang keinen Durchbruch, die Gespräche wurden auf Anfang Januar vertagt. Verhandelt wird also gerade gar nicht – gestreikt wird aber trotzdem weiter, um den Druck aufrechtzuerhalten. Die französische Bahn hat deshalb jetzt den Großteil ihrer Verbindungen gestrichen: Am 23. und 24. Dezember fallen sechs von zehn TGV-Schnellzügen sowie Intercity-Zügen aus, teilte die Bahngesellschaft SNCF mit.

Nur jeder zweite Kunde mit Ticket kann befördert werden

Die Regierung hatte zuvor versprochen, die Bahn werde an den Feiertagen für jeden Passagier eine Lösung finden. Allerdings haben sie das scheinbar gemacht, ohne mit den Streikenden zu reden, berichtet unser Korrespondent Marcel Wagner aus Paris.

Noch frustrierender ist die Situation bei den Metros – vor allem in der französischen Hauptstadt.

"In Paris fahren zwar ein paar Metros – allerdings nur zu Stoßzeiten und dann auch nur eingeschränkt."
Marcel Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Frankreich

Sechs Metrolinien fahren am 23.12. gar nicht mehr, am 22.12. standen sogar 14 still. Nur zwei automatisierte Metrolinien waren in der Millionenstadt unterwegs.

Paris quasi ohne Metros

Aber bislang ist noch kein Chaos ausgebrochen - wegen der Schulferien ist ohnehin weniger los, die Zeit der großen Staus ist vorbei. Außerdem haben sich die meisten Franzosen auf die Situation schon eingestellt und kommen erst gar nicht mehr zu den Bahnhöfen, schließlich wird schon seit drei Wochen gestreikt.

"Über zum Beispiel die UFO-Fluggewerkschaft in Deutschland lachen die Franzosen - die sind hier ganz anderes gewohnt."
Marcel Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Frankreich

Und die Streiks gehen auch über die Feiertage weiter. Viele Franzosen sind gar nicht erst losgefahren und haben die Familienbesuche gestrichen, so etwa Thierry vom Lottostand aus Marcel Wagners Stamm-Brasserie. Er hat das Geld für die Tickets kommentarlos zurück überwiesen bekommen. Der SNCF hat auch die Begleitung von allein reisenden Kindern abgesagt. Davon sind etwa 6000 Kinder betroffen, für die schon Tickets gekauft waren. Umbuchen ist für alle quasi unmöglich, weil alle fahrenden Züge ausgebucht sind.