Vergleicht ihr die Preise von euren Gas- und Stromerzeugern und wechselt den Anbieter, wenn es woanders günstiger ist? Künftig könnten Unternehmen Wechselkunden und -kundinnen wie euch häufiger ablehnen. Eine Datenbank, die Vertragsdaten speichert, soll ihnen dabei helfen.

Die Schufa und die Münchner Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel sollen Pläne für Datenbanken für Gas- und Stromanbieter entwickelt haben, in denen offenbar branchenweit Vertragsdaten möglichst vieler Kunden und Kundinnen gespeichert werden. Das ergibt eine Recherche von NRD und Süddeutscher Zeitung. Anhand der gespeicherten Daten können sogenannte Wechselkunden und -kundinnen herausgefiltert werden.

Unternehmen mögen keine Wechselkunden und -kundinnen

Denn Kunden und Kundinnen, die häufig ihre Anbieter wechseln, seien nicht beliebt, so der Journalist Peter Hornung, der an der Recherche beteiligt war. Solche Kundschaft lohne sich nämlich nicht - vor allem jene nicht, die als Neukundinnen und -kunden einsteigen, einen Bonus erhalten und dann bald schon weiter wechseln.

"Wenn du jedes Jahr deinen Gas- oder Stromanbieter wechselst, dann bist du nicht beliebt."
Peter Hornung, NDR

Auch, wenn die Unternehmen selbst aktiv mögliche Neukunden und -kundinnen an- und damit der Konkurrenz abwerben, wollen sie selbst keine Kundschaft, die wechselt. Für die Unternehmen ist langfristige Kundschaft ideal.

Datenbank mit Vertragsdaten

Die geplanten Datenbanken seien nicht illegal, so Peter Hornung, teils würden sie auch von Datenschützern und -schützerinnen befürwortet. Für die Schufa mit ihrem Sitz in Wiesbaden ist der hessische Datenschutzbeauftragte zuständig. Er zum Beispiel zeige Verständnis für die Energieerzeuger. In Hessen werde das Gesetz so ausgelegt, dass das Speichern solcher Vertragsdaten in Ordnung sei, so Peter Hornung. Andere Datenschützer und -schützerinnen seien aber kritischer.

"Die Wirtschaftsauskunfteien machen nichts Illegales. Die machen nur das, was ihnen die Datenschützer gestatten."
Peter Hornung, NDR

Ob und wie die Datenbank kommt, ist noch offen. Anfang November wollen sich die Datenschutzbehörden der Länder und des Bundes abstimmen. Wenn die Datenbank kommt, würden systematisch Wechselkunden und -kundinnen identifizierbar gemacht – Firmen könnten diese dann gezielt ablehnen. Absolut legal, denn es gilt Vertragsfreiheit.

Unklar ist, ob alle Gas- und Stromanbieter mitmachen. Im Rahmen der Recherche von NDR und Süddeutscher Zeitung wurden 75 Energieversorger befragt, rund 50 antworteten. Dazu gehörten zum Beispiel Eon und Vattenfall: Sie wollen sich die Pläne für die Datenbank zunächst anschauen, so Peter Hornung. ENBW wiederum antwortete, dass das Unternehmen nicht mitmachen wolle.

Auf jeden Fall: Falls ihr jetzt oder später grundlos von einem Gas- und/oder Stromanbieter abgelehnt werdet, solltet ihr euch beschweren, rät Peter Hornung. Am besten bei den Verbraucher- oder Datenschützern.