Um die Energiewende zu schaffen, müssen wir auch effizient mit Strom umgehen. Das fängt bei uns selbst zu Hause an. Ein Trick, wie wir Strom sparen können, ist, Geräte nicht mehr im Stand-by-Modus zu lassen.

Sie leben in unseren Wohnungen und kosten extrem viel: Energiefressende Geräte sind so etwas wie Blutsauger. Der einzige Unterschied zu Vampiren ist, dass sie sich nicht von Blut, sondern von Strom ernähren.

Nicht umsonst werden Elektrogeräte mit hohem Verbrauch in der englischen Sprache Vampire Devices genannt. Die BBC hat nun errechnet, dass sich umgerechnet etwa 170 Euro durch bewussteren Umgang mit Fernseher, Kühlschrank, Waschmaschine oder Mikrowelle einsparen ließen.

Stromfresser Nummer eins: Fernseher

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beutung macht sich in seiner Wohnung auf die Suche nach den Stromfressern oder Stromvampiren. Mit einem Elektromessgerät, dass er zwischen Steckdose und Gerät dazwischenschaltet, checkt er erst einmal den Stromverbrauch der einzelnen Geräte. Einer der größten Stromfresser ist der Fernseher.

"In Studien sind Fernseher häufig Hauptfaktoren beim Stromverbrauch, weil moderne Smart-TV sich automatisch mit dem WLAN verbinden."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Obwohl Stephans Fernseher nicht smart ist und sich ins Netz einwählt, saugt er Strom. Auch andere Geräte, die nicht laufend verwendet werden, wirken sich auf den Stromverbrauch in der Wohnung unseres Reporters aus.

Zusammengerechnet zeigt das Messgerät 53,13 Watt für eine Spielkonsole und einige kleinere Geräte an, die im Stand-by-Modus laufen.

Energieeffizienz wird aufgefressen

Gerhild Loer, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, sagt: "Das interessante ist ja, dass der Stromverbrauch in den letzten Jahren pro Haushalt nicht gesunken ist, obwohl unsere Geräte immer effizienter werden." Das sei auf den Stand-by-Verbrauch zurückzuführen.

Bezeichnungen wie AAA und +++, die eigentlich für einen geringeren Stromverbrauch stehen, werden durch die Menge der vielen kleineren handwarmen Geräten egalisiert, die den Alltag erleichtern. Schon ein Blick ins Badezimmer reicht aus, um einen ersten Überblick zu erhalten: elektrische Zahnbürste, Rasierer, Föhn.

"Häufig ist das nur ein Watt hier und eines da. Aber die Menge macht es", sagt Stephan. Gerhild Loer ergänzt, dass in einem größeren Haushalt eben nicht nur ein Gerät mit 9 Kilowattstunden steht, sondern vielleicht gleich zehn davon. Dann sei man schnell bei 90 Kilowattstunden, die uns aktuell rund 30 Euro kosten können. "Nur damit sich das Gerät da warmläuft", so Gerhild Loer.

"Übertragen auf unsere Fernseher-Steckerleiste hieße das: Wenn all die Gerät im Schrank durchlaufen, dann summiert sich das auf mehr als 450 Euro Stromkosten im Jahr", bilanziert Stephan. Deswegen verwendet er schon länger eine Steckdosenleiste mit Kippschalter.

Stand-by ist schlecht fürs Klima

Dabei geht es aber nicht nur um die Kosten, die wir sparen können, sondern schlicht um Energieeinsparungen, um unser Klima zu schützen. Denn alles, was handwarm in der Wohnung am Strom hängt, verlängert den Weg zur Energiewende. Gerhild Loer erklärt, dass die kleinen Verbräuche zusammengerechnet im Jahr die Energie eines mittleren Braunkohlekraftwerks aufsaugen.

Smarte Geräte sind immer betriebswarm

Auf maximal 1 Watt hatte die Europäische Union die Stand-by-Werte im Jahr 2014 gedeckelt. Das gilt aber nicht für Smart-Geräte, die dauerhaft funken. "Deshalb nennt man das nicht Stand-by", sagt Gerhild Loer. Bei einem Smart-TV, der mit dem Router kommuniziert, kann der Verbrauch bis zu 8 Watt pro Stunde sein. Somit sind WLAN-Geräte immer auf Betriebstemperatur.

Ein Router kann 10 Watt pro Stunde verbrauchen. Sobald die WLAN-Nutzung dazu kommt, sind es weitere 10 Watt pro Stunde. Stephan checkt das bei sich zu Hause und stellt in den Routereinstellungen ein, dass in den Nachtstunden von 2 bis 7 Uhr das WLAN pausiert. "Und vorm nächsten Urlaub ziehe ich den Stecker."

"Wir stehen mitten in der Energiewende, das heißt, wir wollen auf erneuerbare Energien umsteigen. Das können wir aber nicht, wenn wir nicht effizienter zu Hause sind."
Gerhild Loer, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW

Beispielsweise können wir auch beim Kühlschrank sparen: 7 Grad würden zum Frischhalten der Lebensmittel ausreichen, meint die Energieexpertin. Denn jedes Grad mehr Kühlung heißt, 6 Prozent mehr Energieverbrauch.

"Jede Mini-Wattstunde, die ich zu Hause einspare, hochgerechnet auf 42 Millionen Haushalte und dann auf ganz Europa - darin steckt ein großes Potenzial. Deshalb: Energiewende bedeutet für jeden einzelnen von uns, Energie einzusparen.
Gerhild Loer, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW
  • Autor:  Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter