Millionär*innen unterscheiden sich vom Rest der Bevölkerung. Zumindest die, die aus eigener Kraft reich geworden sind. Das zeigt eine Studie zur Persönlichkeit von Millionär*innen. Aber Vorsicht: Wenn ihr die persönlichen Merkmale teilt, werdet ihr nicht automatisch vermögend.

In der Psychologie spricht man von den Big Five. Das sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die in Persönlichkeitstests genutzt werden. Zu dem Modell der Big Five gehören:

  • Offenheit für neue Erfahrungen
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion, also eher Typ gesellig und aktiv
  • Verträglichkeit
  • Neurotizismus, was für Verletzlichkeit und Besorgnis steht

Diese Dimensionen, um eine Persönlichkeit erfassen zu können, sind auch Kern einer Studie zu Millionär*innen. Darin hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gemeinsam mit der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, die Persönlichkeit von Millionär*innen untersucht.

Datengrundlage der Persönlichkeitsanalyse ist das SOEP, eine repräsentative Zufallsstichprobe in Deutschland. Diese wird seit Jahren erhoben und erfasst die Gesamtbevölkerung in Deutschland.

Zusätzlich befragte das Team mehr als 1000 Millionär*innen, die in Deutschland leben. Im Durchschnitt haben sie ein Nettovermögen von etwa vier Millionen Euro.

Millionär*innen ticken anders als der Rest

Die Studie zeigt, dass im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung Millionär*innen in Deutschland emotional stabiler, offener, extrovertierter und gewissenhafter sind, so unsere Reporterin Anna Kohn. "Sie sind auch risikobereiter, aber das überrascht vielleicht nicht so sehr", sagt Anna. Die Dimension Risikobereitschaft gehört nicht zu den Big Five, wurde aber vom Forscherteam in die Studie aufgenommen.

Geerbt oder erarbeitet?

Bei Millionär*innen gibt es solche, die sich ihr Vermögen selbst erarbeitet haben und jene, die geerbt haben. Die beiden Gruppen zeigen klare Unterschiede, wenn es um die Persönlichkeitsmerkmale geht. Erb*innen entsprechen dem typischen Profil von Millionär*innen deutlich weniger, so Johannes König, Ökonom am DIW und Co-Autor der Studie. Demzufolge neigen sie zum Beispiel zu mehr Neurotizismus, sind also emotional labiler.

"Erb-Millionäre sind weniger offen, extrovertiert, gewissenhaft und risikotolerant als der Durchschnittsmillionär."
Johannes König, Ökonom am DIW

"Und das ist ein sehr interessanter Punkt", sagt Anna. Denn die Frage ist ja auch: Ist die Persönlichkeit die treibende Kraft, damit man reich wird. Oder entwickelt man typische Merkmale für Millionär*innen, weil man eben reich ist. "Die Studie deutet darauf hin, dass die Persönlichkeit ein wichtiger Faktor bei der Ansammlung von Vermögen", sagt Anna.

Aber die Persönlichkeit ist auch nicht alles. Der Ökonom Johannes König nutzt das Bild eines Kuchens, in den eben auch viele unterschiedliche Zutaten hineingehören, damit er gelingt. Um ein Vermögen aufzubauen, ist die Persönlichkeit genauso wie Bildung eine wichtige Zutat, so Johannes König.

"Die Persönlichkeit ist eine wichtige 'Zutat' für den Vermögenserwerb."
Johannes König, Ökonom am DIW

Und damit gilt auch, dass man nicht automatisch super reich wird, weil man die entsprechenden Persönlichkeitsmerkmale aufweist. "Man muss wirklich sehr vorsichtig sein bei solchen Kausalitäten", sagt Anna.

Das Millionär*innen-Profil findet sich in der Studie in abgeschwächter Form auch bei Selfmade-Leuten, die nicht reich sind. Diese Personen gaben zwar an, dass sie durch Arbeit sozial aufgestiegen-, aber eben keine Millionär*innen sind.