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Ob Tiktok, Instagram oder Facebook - viele von uns scrollen sich täglich durch die Feeds. Dabei bekommen wir viele Falschmeldungen angezeigt, erkennen sie aber nicht als solche. Das zeigt jetzt eine Studie der Stiftung Neue Verantwortung.

Eine gute Nachricht vorweg: Viele Userinnen und User wissen, dass man auf Social Media keine Falschinformationen teilen oder liken sollte. Viele von ihnen tun es aber trotzdem, weil sie Falschnachrichten nicht erkennen. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Studie, die die Stiftung Neue Verantwortung veröffentlicht hat. Im Herbst 2020 sollten sich dafür 4.191 Userinnen und User ab 18 Jahren Posts von Instagram, Facebook und Youtube anschauen und einschätzen, für wie glaubwürdig sie sie halten.

Werbung und Falschmeldungen - nicht ausreichend gekennzeichnet

Insgesamt, sagt Projektleiterin Anna-Katharina Meßmer, habe es bei er Befragung natürlich Posts gegeben, die knifflig waren, andere seien aber offensichtlich falsch – diese Einschätzung hatten die Macherinnen und Macher der Studie zumindest erwartet. In der Realität haben viele Userinnen und User auch diese Meldungen als wahr eingeschätzt.

Bildung als Hauptfaktor für Medienkompetenz

Ein Beispiel ist die Meldung, dass "aufgrund der Coronamaßnahmen der Bundesregierung im März und April 2020 92 Prozent aller notwendigen Operationen nicht durchgeführt wurden. Bis zu 125.000 Menschen mussten deswegen früher sterben oder werden es noch tun." Das gefällt rund 85.000 Userinnen und Usern, geteilt wurde es 3.500 Mal. Bei der Befragung markierten 43 Prozent, also weniger als die Hälfte diese News als Falschinformation, 33 Prozent schätzten sie als wahr ein und 13 Prozent als Meinung.

Ähnlich, so Anna-Katharina Meßmer, sei es beim Erkennen von Werbung gewesen. Das haben nur 23 Prozent der Befragten geschafft. Auch habe es hier keine größeren Unterschiede zwischen Jüngeren und Älteren gegeben.

Gerade bei den unter 40-Jährigen sei das auffällig. Zusammenfassend gilt: Diejenigen mit Gymnasialabschluss gehören zu den Kompetentesten. Niedrigere Kompetenzwerte haben wiederum eher diejenigen, die einen Hauptschulabschluss haben.

Medienkompetenz abhängig vom Alter

Insgesamt zeigt die Studie aber schon: Je jünger die Userinnen und User, umso besser ist ihre digitale Medienkompetenz. Das wird damit begründet, dass alle, die heute zwischen zwanzig und dreißig sind, mit Online-Nachrichten und sozialen Medien aufgewachsen sind. Allerdings, so die Erkenntnisse der Studie, spiele die Bildung der Userinnen und User eine wesentliche Rolle.

"Die Studie macht deutlich, dass es ein enormes Bildungsproblem gibt. Hier muss nachgesteuert werden."
Anna-Katharina Meßmer, Projektleiterin bei der Stiftung Neue Verantwortung

Anna-Katharina Meßmer ist der Meinung, dass Deutschland hier viel Nachholbedarf habe. Mit in die Verantwortung müssten aber auch Nachrichtenseiten und soziale Medien genommen werden. Zum Teil, kritisiert sie, seien einordnende Hinweise auf Falschmeldungen schlecht zu erkennen.

"Hinweise auf Falschmeldungen müssen deutlich erkennbar sein, das fängt schon bei der Schriftgröße und einer einheitlichen Markierung an."
Anna-Katharina Meßmer, Projektleiterin bei der Stiftung Neue Verantwortung

Als Beispiel nennt sie die Meldung über die "Komplette Enteignung der Bürger, die bereits per Gesetz festgelegt" sei. Zwar sei der Post bei Facebook mit dem Hinweis Falschmeldung gekennzeichnet, bei der Befragung habe sich aber gezeigt, dass das nur wenigen Userinnen und User aufgefallen ist. Einheitlich als "Gesponserte Posts" gekennzeichnete Werbung auf Instagram hätten die Befragten wiederum ziemlich gut erkannt.

Den Test aus der Studie zur Medienkompetenz gibt es hier.