Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos werden uns Roboter in den nächsten Jahren Millionen von Jobs wegnehmen.

Die Arbeitsmarktzahlen in Deutschland sind gut. Doch mitten in diese schöne Job-Euphorie platzt jetzt das Weltwirtschaftsforum in Davos - mit einer Studie, die sagt, dass Roboter uns in den nächsten Jahren Millionen von Jobs wegnehmen werden.

Als während der Industrialisierung im vergangenen Jahrhundert die Maschinen aufkamen, entstanden auch düstere Zukunftsprognosen, Menschen würden bald keine Arbeit mehr finden, weil ihre Jobs von Maschinen gemacht werden. Die Prognose hat sich - zumindest hier in Deutschland - nicht bewahrheitet. Bis jetzt...

"Fünf Millionen Arbeitsplätze sollen in den nächsten fünf Jahren in den Industrieländern wegfallen. Insgesamt sogar sieben Millionen Arbeitsplätze."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Diese düstere Prognose stellt eine Untersuchung des Weltwirtschaftsforums in Davos (WEF) auf, die die FAZ vorab veröffentlicht hat. Das WEF steht 2016 unter dem Motto: "Die Bewältigung der vierten industriellen Revolution". Die Veranstalter meinen damit den Fortschritt in der Technologie - also Künstliche Intelligenz, Robotik, Big Data. Die Studie kam durch eine Umfrage unter den Top-Managern der 350 größten Konzerne der Welt zustande.

Jobs sollen vor allem in Büros und in der Verwaltung wegfallen, schreibt die FAZ. Fabriken sind ja bereits weitestgehend automatisiert. Gefährdet seien vor allem die Angestellten mit "weißem Kragen". Es werde Roboter geben, die Auto fahren, die Kranke pflegen und die die Buchhaltung machen.

Mittelschicht in Gefahr

Besonders gruselig sind laut der Studie die Aussichten für die Mittelschicht, zum Beispiel für Sachbearbeiter und Angestellte im Gesundheitssektor.

"In Japan werden schon jetzt Roboter in der Krankenpflege eingesetzt. Nicht so gut sieht es angeblich auch in der Energie- und Finanzwirtschaft aus."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Taxifahrer und Postboten, Krankenschwestern, Buchhalter oder Anlageberater - sie alle werden bald wegrationalisiert, warnt die Studie. Disponenten zum Beispiel werden kaum mehr gebraucht: Die Computerprogramme tauschen sich in Zukunft automatisch darüber aus, wann die Spedition eine Fracht vom Hafen in die Fabrik bringen soll.

Neue Jobs durch IT ?

Die Glaskugel-Gucker aus den großen Unternehmen prophezeien, dass im IT-Sektor zwar neue Jobs zu erwarten sind: im Bereich Robotik, 3D-Drucker, Nanotechnologie, Gen- und Biotechnik, mobiles Internet. Doch die Manager glauben, dass bis 2020 nur zwei Millionen neue Stellen für IT-Spezialisten entstehen werden. Zu wenig, um die Jobs, die an anderer Stelle wegfallen, zu kompensieren.

"Deutschland wird stärker vom Wandel betroffen sein als andere Staaten in Europa, munkelt die Studie. Und Frauen sollen gefährdeter sein als Männer."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Männer seien in Vorteil, weil sie sich eher für naturwissenschaftliche und IT-Berufe interessierten. Hier sei der Frauenanteil immer noch sehr gering.

Ist das realistisch?

Eine zwei Jahre alte Studie des MIT kommt zu einem recht ähnlichen Ergebnis: Automatisierung werde die Einkommensunterschiede zwischen den Menschen vergrößern, in der Übergangsphase sei Massenarbeitslosigkeit unausweichlich. Die neue Studie ist also erst mal nicht Neues.

Das Blog der Wiwo kommt zum Schluss: Mehr als je zuvor habe man in diesem Jahr in Davos das Gefühl, dass die Teilnehmer mit Problemen konfrontiert sind, die schon lange auf dem Tableau sind. Dann kommt auch noch dazu, dass solche Studien immer auch ein Stück Kaffeesatzleserei sind. Denn wer weiß schon, wie sich das in den nächsten fünf Jahren wirklich weiterentwickelt, was Menschen sich an kreativen neuen Geschäftsfeldern einfallen lassen werden.