Männer unerwünscht. Im neuen Elektrotechnik-Studiengang an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena werden nur Frauen zugelassen. Zumindest in den ersten beiden Semestern. So sollen die Studentinnen besser ins Studium kommen und sich später im Berufsleben behaupten können.

Bis zu 30 Studentinnen sollen im Wintersemester loslegen. Sie haben dann die Chance, Elektrotechnik zu studieren, unter sich, ohne Männer. Professor Ralph Ewerth von der Hochschule Jena erklärt in einem Interview: "Wir möchten denen die Scheu nehmen, die sich für Technik interessieren.“ Einfacher sollen es die Frauen dadurch nicht haben, sie müssen genauso viel leisten wie Männer in der Elektrotechnik.

"Der Frauenanteil ist im Bereich Elektrotechnik besonders gering."

In den Mint-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist der Frauenanteil gering - und in der Elektrotechnik ganz besonders. In Jena liegt der Anteil von Studentinnen teilweise bei unter 10 Prozent. "Wir glauben nicht, dass das naturgegeben ist", sagt Ewerth im DRadio-Wissen-Gespräch, "sondern dass das Technikinteresse von Jungs in der Kindheit mehr gefördert wird als bei den Mädchen".

Im dritten Semester wird gemeinsam studiert

Der neue Studiengang soll das wieder ausgleichen. Zwei Semester lang sollen die Frauen unter sich bleiben, erst danach gemeinsam mit ihren männlichen Kommilitonen studieren. Das soll Frauen mit Technik-Faible den Studieneinstieg erleichtern - ohne Sorge haben zu müssen, die einzige Frau unter 50 tendenziell nerdigen Kerlen zu sein.

Kritik: Rückschritt der Gleichberechtigung

Die ersten Bewerbungen von angehenden Studentinnen sind schon in Jena angekommen und auch viel positives Feedback. Aber es gibt auch Kritik und kontroverse Meinungen: Das Konzept des Studiengangs bedeute einen Rückschritt im Sinne der Gleichberechtigung und das zusätzliche Angebot an Frauen sei schlichtweg überflüssig.

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