Wer Hebamme werden will, kann das jetzt auch an einer Uni studieren. Was modern klingt, ist in anderen Ländern längst Standard. 

Seit dem Wintersemester gibt es an der Uni Lübeck den Studiengang Hebammenwissenschaften. An Fachhochschulen gab es entsprechende Ausbildungsgänge bereits, als Universität ist die Hochschule in Deutschland damit aber Vorreiter. In fast allen anderen EU-Ländern ist die Qualifikation von Hebammen an Unis längst Standard. Insofern, und mit Blick auf eine EU-Richtlinie, die die Akademisierung der Hebammenausbildung vorsieht, wird sich also in den nächsten Jahren einiges ändern müssen. 

Befürchtungen, dass das Hebammenhandwerk bei zu viel Theorie verloren gehen könnte, kann Nele Stejskal von der Uni Lübeck nicht teilen. Sie betont die Vorteile, wie beispielsweise das enge Zusammenarbeit in der Lehre mit den Medizinern. 

"Der Vorteil für Hebammen: Sie werden von Medizin- und Anatomieprofessoren unterrichtet und können auch an Präparierkursen teilnehmen."
Nele Stejskal koordiniert den Studiengang Hebammenwissenschaften an der Uni Lübeck

Laut Nele Stejskal verändern sich im Studium zwar die praktischen Phasen nicht, Neuerungen gebe es aber in der Theorie. Demnach werde künftig mehr Augenmerk auf das wissenschaftliche Arbeiten gelegt sowie auf evidenzbasierte Medizin, sodass der wissenschaftliche Hintergrund in das Arbeiten mit einfließt. Das sind im Übrigen auch Anforderungen, die immer mehr werdende Mütter an Hebammen stellen.

Interprofessionelles Lernen und persönliche Betreuung

Die Uni Lübeck hat selbst Gründe formuliert, warum der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaften das Richtige ist: 

  1. Aus zwei Abschlüssen ergeben sich breite Berufsperspektiven. Darüberhinaus gibt es die Möglichkeit, sich mit einem aufbauenden Masterstudium weiterzuqualifizieren.
  2.  Durch interprofessionelles Lernen ergeben sich Berührungspunkte mit der klinischen Forschung. Synergien werden genutzt und Interprofessionalität gefördert. So gibt es gemeinsame Lehrveranstaltungen mit der Humanmedizin, Pflege, Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie.  
  3. Studierende bekommen in den ersten drei Jahre bis zum Berufsabschluss eine Ausbildungsvergütung. Des Weiteren werden in Schleswig-Holstein keine Studiengebühren erhoben. Es muss lediglich der Semesterbeitrag gezahlt werden. 
  4.  Bei 20 Studierenden gibt es eine persönliche Betreuung mit intensivem Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden. So entsteht ein familiäres Umfeld mit Raum für Individualität.