Keinen Bock auf Mathe, kein Händchen für Zahlen? Wer auf die Idee kommt, aus diesen Gründen Sozialwissenschaften zu studieren, sollte im Blick haben, das auch dafür Statistikkenntnisse notwendig sind.

Wissenschaft bedeutet eigentlich immer Empirie. Das heißt, eine methodisch-systematische Sammlung von Daten und deren Auswertung. Auch in Fächern wie Sport- und Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie ist Statistik oder Wahrscheinlichkeitsrechnung fast immer ein Muss, an dem ihr nicht vorbeikommt.

In rund 80 Prozent aller Studienfächer in Deutschland werden von den Studierenden mehr als grundlegende Mathematik-Kenntnisse erwartet, zeigt eine neue Studie des Kieler Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik.

"Dann sitzt man das erste Mal in Statistik und einem fällt die Kinnlade runter. Ich habe selbst persönlich Probleme damit, kenne aber auch viele andere Studierende, die damit Probleme haben."
Ray Eitner, Studierende

Die Forschenden haben für ihre Studie mit 550 Hochschullehrenden gesprochen, die jenseits der MINT-Fächer mathematische Seminare anbieten. Die Dozenten wurden nach den Mathe-Kenntnissen gefragt, die Studierende mitbringen müssen.

Die Erwartungen der Studierenden stimmen oft nicht mit den Anforderungen der Lehre überein. Das führt zu Überforderung, Frust und auch zu Studienabbrüchen.

Studienanforderungen transparenter machen

Wer ein Studienfach wählt, bei dem er auf keinen Fall mit Mathe in Berührung kommen möchte, sollte sich in jedem Fall vorab gut informieren. Denn oft machen Hochschulen für Studienanfänger nicht transparent genug, was das Studium eines bestimmten Fachs beinhaltet, sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter Mathias von Lieben.

Auch die Studienautorin Dunja Rohenroth fordert mehr Transparenz. Diese Schwierigkeit ließe sich relativ leicht beheben, sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter Mathias von Lieben. Dafür könnte man beispielsweise die online verfügbaren Beschreibungen von Modulen oder Studiengängen anpassen oder intensivere Beratungsgespräche für Studienanfängerinnen und -anfänger anbieten.

"Es wurde tatsächlich gesagt, dass Studierende gerade diese Fächer wählen, um Mathematik zu vermeiden. Deshalb ist es so wichtig, dass die Anforderungen der jeweiligen Studienfächer eben transparent gemacht werden."
Dunja Rohenroth, eine der Studienautorinnen

Die Forschenden haben fünf Fächergruppen identifiziert, in denen das Lehrpersonal ähnliche Fähigkeiten voraussetzt. Viel Statistik benötigt man in sozialwissenschaftlichen Fächern wie Sportwissenschaften und Soziologie, mehr Geometrie in Architektur und Raumplanung – Stochastik vor allem in Wirtschaftswissenschaften.

Im Grundlagenbereich wird allerdings fächerübergreifend das Gleiche erwartet: Und zwar Prozent- und Bruchrechnung, lineare Algebra, Stochastik und Analysis. Das erwartete Niveau für mathematische Kenntnisse ist dabei recht hoch.

"Also wir haben da zum Teil Studierende, die schon an einem Problem eines einfachen Dreisatzes scheitern und wirklich das einfach Einsetzen in eine etwas komplexere Formel. Das bereitet schon manchmal erhebliche Schwierigkeiten."
Uwe Hoffmann, Dozent für Statistik-Seminare an der Deutschen Sporthochschule Köln