Für freiwillige Praktika die länger als drei Monate dauern, müssen Unternehmen ihren Praktikanten seit dem 1. Januar mindestens 8,50 Euro pro Stunde bezahlen. Für viele Unternehmen ein Grund, keine Praktikanten mehr einzustellen.

Mal angenommen ihr macht ein freiwilliges Praktikum in einem Unternehmen, das vier Monate dauert. Und in diesen vier Monaten arbeitet ihr Vollzeit für das Unternehmen. Dann würdet ihr von eurem Arbeitgeber 1360 Euro Gehalt bekommen, dazu kommen noch die Arbeitgeberanteile. Für das Unternehmen bedeutet das: Der Praktikant kostet ungefähr 1800 Euro pro Monat.

Sind Praktikanten nur Lernende?

Irene Seling von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände ist von dieser Regelung nicht überzeugt. Praktikanten seien Lernende, meist dauere die Zeit der Einarbeitung genauso lange wie das Praktikum selbst. Hinzu kommt: Wenn die Unternehmen ihren Praktikanten den Mindestlohn zahlen müssen, wird die Zahl der Praktikumsplätze zwangsläufig zurückgehen.

"Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Praktika zurückgehen wird. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die keine großen Personal- und Rechtsabteilungen haben."
Irene Seling, Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände

Die Pflicht zum Praktikum

In Zukunft könnte es sein, dass Unternehmen nur noch Pflichtpraktika anbieten - oder freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern. Die unterliegen nämlich nicht der Regelung zum Mindestlohn. Zu den Pflichtpraktika gehören alle Praktika, die in den Studien- und Prüfungsordnungen der Hochschulen vorgeschrieben sind. Oder solche, die man als Zulassungsvoraussetzung zum Studium machen muss.

Die Nachteile für Geisteswissenschaftler

Das könnte ein Problem für Geistes- und Sozialwissenschaftler sein: Dort sind häufig keine Praktika in der Studienordnung vorgeschrieben. Zudem ist das Berufsprofil am Ende des Studiums nicht so klar, wie zum Beispiel in technischen Studiengängen. Wenn Studenten dieser Fächer keine oder kaum noch freiwillige Praktikumsplätze finden, könnte sich das auf ihren beruflichen Werdegang auswirken.

"Es ist wichtig für Studierende in die ein oder andere Branche hineinzuschnuppern, zu schauen, was macht mit Spaß oder am Ende des Praktikums festzustellen: Das war es doch nicht."
Irene Seling, Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände