Seit einem Jahr protestieren Studenten in Südafrika gegen zu hohe Studiengebühren. Immer wieder eskalieren die Proteste in grober Gewalt. Die Fronten sind so verhärtet, dass niemand so richtig weiß, wie es weitergehen soll.

Polizeiautos und Busse werden angezündet, Unigebäude angegriffen, dazwischen fliegen Gummigeschosse und Blendgranaten durch die Gegend. Immer wieder eskalieren die Studentenproteste gegen zu hohe Studiengebühren in Südafrika. Auf der einen Seite radikale, gewaltbereite Studenten, auf der anderen die Polizei, die oft unverhältnismäßig hart gegen die Protestler vorgeht.

"An manchen Universitäten ist sowas wie ein Ausnahmezustand Realität geworden."
ARD-Korrespondent Jan-Phillipe Schlüter

Vor allem an den Unis in Kapstadt gehören die Proteste mittlerweile zum Alltag, sagt ARD-Korrespondent Jan-Phillipe Schlüter. "Es ist eine radikale Minderheit an Studenten, die gerade protestiert." Mit ihren zerstörerischen Aktionen machen sie viel kaputt.

Radikale Minderheit

Auch wenn sich die Meisten einig sind, dass das derzeitige System geändert werden muss, will die Mehrheit in erster Linie die anstehenden Abschlussprüfungen hinter sich bringen - und keine Gebäude anzünden, sagt Jan-Phillipe.

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Die Studenten fordern die komplette Abschaffung der Studiengebühren. "Im Schnitt muss ein Student in Südafrika um die 5000 Euro im Jahr ausgeben, für Gebühren und Unterhalt", sagt Jan-Phillipe. Was sich erst mal nicht astronomisch hoch anhört, ist für viele schwarze Südafrikaner aber einfach zu viel. Im Schnitt verdient eine Familie nämlich gerade einmal 7000 Euro pro Jahr. Der Großteil des Einkommens müsste also für die Uni drauf gehen.

Komplette Abschaffung unrealistisch

Es gebe zwar staatliche Unterstützung und Stipendien, sagt Jan-Phillipe, das sei aber viel zu wenig. Die Studenten wollen deshalb erreichen, dass es im kommenden Jahr erstmal keine Erhöhung der Gebühren gibt. Danach sollen sie sogar komplett abgeschafft werden, so die Forderung.

"Dass die Gebühren komplett abgeschafft werden in Südafrika, das glaube ich nicht, dafür hat der Staat einfach nicht das Geld."
Jan-Phillipe Schlüter

Knapp eineinhalb Milliarden Euro an Mehrkosten hätte der Staat ohne Gebühren. Das gibt der Haushalt allerdings nicht her, sagen die Politiker. Stattdessen spricht die Regierung davon, die Gebühren nicht allzu sehr zu erhöhen und ärmeren Familien mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Eine Taskforce voller Minister soll jetzt nach einer Lösung suchen, um die Lage zu beruhigen.