In Deutschland gilt seit kurzem ein Gesetz, mit dem sich die Politiker in Bundestag und Bundesrat sehr schwer getan haben. Wer einem Menschen beim Suizid hilft, kann unter bestimmten Voraussetzungen dafür bestraft werden. Mit bis zu drei Jahren Haft. Und zwar dann, wenn er dies geschäftsmäßig tut. Assistiert er bei der Selbsttötung als Angehöriger, bleibt er straffrei. Doch was heißt geschäftsmäßig?

"Das Recht wird sich noch bilden", sagen Juristen in solchen Fällen. Das heißt, die Gerichte werden im Einzelfall klären müssen, wann eine Assistenz bei der Selbsttötung geahndet werden muss. Schon sind erste Klagen gegen das Gesetz angekündigt und Kritiker bemängeln, dass bei bestimmten Konstellationen auch Ärzte darunter fallen könnten, wenn sie die Tötung auf Verlangen zulassen.

Karl Lauterbach und Wolfgang Huber streiten

Die Suizid-Debatte in unserem Hörsaal entwickelt sich so auch schnell zu einer streitbaren Auseinandersetzung zwischen zwei Vertretern verschiedener Gesetzentwürfe, die im Parlament zur Abstimmung standen: dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands und Mitglied des Nationalen Ethikrates, Bischof Wolfgang Huber und dem Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach.

"Dass man auf die Idee kommen kann, man müsste - obwohl man zum Sterben krank ist - noch weiterleben in einer Weise, die man als unwürdig empfindet, ist die Kehrseite der großartigen Fortschritte der Medizin."

Huber vertritt in der Diskussion die Ansicht, die heutige Denkweise könne dazu führen, dass man das Gefühl habe, am Sterben gehindert zu werden, obwohl es biologisch an der Zeit sei. Die aktuelle Tendenz zu einem maximalen Einsatz in der hochtechnisierten Medizin trage dazu bei. Sein Gegenpart Karl Lauterbach hingegen sieht das anders. Medizin hilft den Menschen, auch beim Sterben, meint er.

"Wenn Sie jemanden sehen, der heutzutage an Krebs stirbt, der stirbt viel menschlicher, als das früher der Fall war."

Die Diskussion, die von der Fliedner Klinik Berlin und der dortigen Charité am 7. Oktober 2015 veranstaltet wurde, stand unter dem Titel "Assistierter Suizid. Debatte über ein ethisches Dilemma". Die Gesprächsleitung hat die Journalistin Simone von Stosch.

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