"Ich weiß, ich kenn' den irgendwo her..." Die meisten Leuten können sich Gesichter eher so mittelmäßig merken. Es gibt aber auch die Super-Recognizer: Sie müssen jemanden nur einmal gesehen haben und erkennen ihn unter Tausenden wieder. Auch Monate später.

Gerade sorgte ein Fall für Aufsehen, der stark an das Phänomen erinnert: Als am Bodensee zwei Männer wegen Ladendiebstahl festgenommen wurden, kam einem Beamten einer der Täter sehr bekannt vor. Er war sich sicher, dass es einer der Verdächtigen aus der Kölner Silvesternacht ist. Und er hatte Recht - obwohl er den Mann nur einmal vor Monaten in einer TV-Reportage gesehen hatte.

Zwei Prozent haben den Superblick

Grob geschätzt zwei Prozent der Bevölkerung sollen Super-Recognizer sein, also Menschen mit einer extrem guten Gesichtserkennung. Auch bei Scotland Yard arbeiten solche Spezialisten. Sie scannen Handyfotos oder Videos von Überwachungskameras und können selbst auf diesen unscharfen Bildern Verdächtige identifizieren - etwa bei den Ausschreitungen rund um das Londoner Viertel Tottenham im Jahr 2011. Auch nach den Silvester-Übergriffen in Köln wurden die Spezialisten aus England eingeladen, um Verdächtige auszumachen.

Viel ist über dieses Phänomen bisher allerdings nicht bekannt, noch gibt es wenig Forschung dazu. In einer Studie aus Harvard bewiesen die Wissenschaftler zumindest, dass es starke Unterschiede in der Gesichtserkennung zwischen den Menschen gibt. Unklar bleibt, ob es sich wirklich um eine Spezialbegabung handelt oder ob der Übergang fließend ist. Denn zumindest zum Teil können wir das Gesichtererkennen trainieren. Das haben Versuche mit professionellen Gedächtnissportlern gezeigt.

Bist du ein Super-Recognizer?

Im Netz gibt es mittlerweile einige Tests, mit dem wir herausfinden können, ob in uns vielleicht auch eine Spezialfähigkeit schlummert. Wissenschaftlich bombenfest sind diese Tests natürlich nicht, sie liefern aber in jedem Fall einen ersten Anhaltspunkt. Ausprobierenswert ist aber in jedem Fall "Super-Recognizer-Test" der University of Grinnitch. Und es gilt den Highscore von zehn Punkten aus der DRadio-Wissen-Redaktion zu knacken.