Der sogenannte Islamische Staat ist weitgehend besiegt, trotzdem geht der Krieg in Syrien weiter. Assads Truppen bombardieren derzeit Rebellen in Ost-Ghuta und auch in der Gegend um Afrin wird gekämpft. 

Zerstörte Krankenhäuser, verwundete Kinder und tote Babys - Bilder, die zur Zeit aus Syrien kommen, sind kaum zu ertragen. Sie kommen aus Ost-Ghuta, einem Gebiet, das Präsident Assad in den vergangenen Tagen schwer bombardieren ließ. Regierungssprecher Steffen Seibert hat sich zu den Bombardierungen geäußert und sie als einen "Feldzug gegen die eigene Bevölkerung" bezeichnet.

Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift Zenith und Nahostexperte, sagt, die Provinz Ghuta sei für Assad so wichtig, weil sie unmittelbar an die Hauptstadt Damaskus angrenze. Vor dem Krieg sei es kaum erkennbar gewesen, wo Ghuta anfängt und wo der Übergang zu Damaskus liege. 

"Es ist schon bemerkenswert, dass nach so einem langen Krieg und nach vielen militärischen Erfolgen des Regimes, trotzdem ein großer Teil der Hauptstadt und des Umlands immer noch in der Hand bewaffneter Rebellen ist."
Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift Zenith

Nach Ansicht Daniel Gerlachs ist das Ziel des syrischen Regimes, das komplette Land zurückzuerobern. Genau das hätten auch Vertreter der Regierung mehr oder weniger offen zugegeben, als sie durch Europa gereist sind, um sich dort für diesen Plan einzusetzen. Dass die Durchsetzung dieses Plans viele Opfer fordere - Zivilisten, darunter auch Kinder und Babys - spiele für das Regime keine Rolle, sagt der Nahostexperte Daniel Gerlach.

In Afrin spielen die Kurden den Syrern in die Hände

Afrin ist ein zweites Gebiet in Syrien, in dem derzeit heftig gekämpft wird. Dort hatten kurdische Kräfte die Kontrolle - es sind vor allem Mitglieder der YPG, ein Ableger der militanten PKK. Allerdings ist das türkische Militär in Afrin einmarschiert, um die kurdischen Streitkräfte zu entmachten. Die Kurden haben daraufhin die syrischen Streitkräfte zur Hilfe gerufen. Strategisch spiele das dem syrischen Regime sehr in die Karten, weil es hier zeigen könne: "Wir verteidigen die syrische Souveränität und sind damit die rechtmäßigen Vertreter des Landes", erklärt Daniel Gerlach.

Die Situation komme aber gleichzeitig auch der Türkei entgegen. Denn auf diese  Weise übertragen die Kurden dem syrischen Regime die Kontrolle, sagt Gerlach: "Mit dem Regime  können sie nämlich leben, aber mit der YPG nicht."