Der Bürgerkrieg in Syrien kostet Menschenleben. Aber auch auf die Kulturgüter des Landes hat der Krieg Auswirkungen: In Aleppo wird mitten in der historischen Altstadt geschossen, Moscheen werden zerstört und Ausgrabungsstätten geplündert.

Jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig, welchem Volk es gehört, bedeutet eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit, weil jedes Volk seinen Beitrag zum Kulturerbe leistet.

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut hat auch Syrien unterschrieben. Aber durch den Bürgerkrieg in dem Land hat sich alles verändert: Menschen werden getötet und Häuser zerstört. Auch die Kulturgüter des Landes werden mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen.

Frontlinie durch die historische Altstadt von Aleppo

In Aleppo zum Beispiel verläuft die Frontlinie zwischen den Rebellen und den Soldaten des Assad-Regimes ausgerechnet durch die historische Altstadt. Mitten in diesem Unesco-Weltkurlturerbe wird geschossen. Moscheen werden beschädigt, Altertümer zerstört. Manche sagen, Präsident Baschar Assad versuche damit, die Vergangenheit der Stadt auszuradieren. Die Regierung weist diese Vorwürfe aber zurück - sie macht stattdessen ihre Gegner verantwortlich.

Man kann sagen, dass in etwa 50 Prozent der Altstadt zerstört und teilweise auch so zerstört ist, dass es nicht wiederaufgebaut werden kann ohne weiteres.
Mamoun Fansa, Berliner Archäologe

Für den Berliner Archäologen Mamoun Fansa, selbst in Aleppo geboren, zählt nicht mehr, wer schuld ist, sondern nur noch die traurige Bilanz. Der Professor hat die Kriegsschäden in seiner Heimatstadt mit Hilfe von Fotografen in einem Bildband dokumentiert.

Plünderungen in Museen

Mamoun Fansa berichtet, dass auch in den Regionen Syriens, in denen nicht gekämpft wird, Tag für Tag ein Stück der reichen Geschichte des Landes verloren geht. Museen und Ausgrabungsorte werden geplündert, und in der Türkei und im Libanon mieten die Antiken-Händler extra Räume an, um die Objekte unterzubringen, berichtet Mamoun Fansa.

Im vergangenen Herbst veröffentlichte der internationale Museumsverband ICOM, eine Unterorganisation der Unesco, eine rote Liste mit den gefährdeten Objekten in Syrien. Zu spät, kritisieren Archäologen wie Fansa. Trotzdem ist es der Versuch, die gestohlenen Objekte davor zu bewahren, im Ausland verkauft zu werden.