Covid-19 verläuft häufig harmlos. Dann könnten sich doch einfach Menschen mit systemrelevanten Aufgaben ungeschützt anstecken, damit sie danach immun sind - so lauten manche Diskussionen. Die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori erklärt, warum das keine Lösung, sondern ein Risiko ist.

Statt die Zahl der Ansteckungen mit Covid-19 grundsätzlich möglichst gering zu halten, wird alternativ die bewusste Ansteckung von Menschen in wichtigen, systemrelevanten Berufen diskutiert. Ärztinnen und Ärzte, Polizei, Pflegepersonal, Kassierer sollten sich bewusst infizieren lassen, damit sie danach immun sind – sozusagen eine Durchseuchung. Das erwünschte Ergebnis: dass viele dieser Menschen danach immun wären.

Risiko, kein Schutz

Das ist ein viel zu riskantes Verfahren, sagt die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Auch wenn bei etwa 80 Prozent der Menschen, die sich mit Sars-Cov2 infiziert haben, die Krankheit mild verläuft. Es gibt eben auch Fälle, in denen die Krankheit schwer verläuft und eventuell tödlich – und derzeit gibt es kein Medikament, von dem man sicher weiß, dass es hilft.

"Das heißt, man riskiert, dass doch einige schwer krank werden, oder sterben – das Risiko will und kann glaube ich keiner eingehen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjounalistin

Es sei praktisch nicht möglich, Risikopatienten, also ältere und chronisch kranke Menschen, unter denjenigen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, auszunehmen, sagt Christina Sartori.

Zu viele Ausnahmen, zu wenig Kalkulierbarkeit

Das wären ziemlich viele Personen, denn das Risiko steigt schon ab 50 Jahren. Außerdem trifft die schwere Verlaufsform von Covid-19 manchmal auch jüngere Menschen, in einigen Fällen auch solche ohne Vorerkrankungen.

"Man kann derzeit nicht sicher vorhersagen, wer glimpflich davon kommt – und wer nicht. Man kann nur abschätzen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjounalistin

Zwar verläuft bei 40-Jährigen - ohne Bluthochdruck und ohne chronische Krankheiten – Covid-19 mit größerer Wahrscheinlichkeit glimpflich. Doch auch bei ihnen lasse sich das Risiko derzeit einfach nicht einschätzen. Außerdem spricht die Menge der Erkrankten dagegen, sagt Christina Sartori. Am Ende wären es dann doch eine hohe Zahl von Menschen, die dann im Krankenhaus versorgt werden müssten. Diese würden auch andere anstecken. Da gibt es keine 100-prozentige Sicherheit – und dann sind wir wieder bei einer Überlastung des Gesundheitssystems.

Quarantäne als Problem

Wenn man sagen würde: Ärzte arbeiten jetzt ohne Schutz, und damit willentlich deren Ansteckungsrisiko erhöhen würde, dann könnten die nach der Infektion für mehr als zwei Wochen nicht mehr arbeiten. Genau das müsse aber verhindert werden, sagt Christina Sartori. Sie weist darauf hin, dass sich in den kommenden Wochen ohnehin einige Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Polizeimitarbeiter anstecken werden.

Christina Sartori hat außerdem auf die Frage der Instgram-Nutzerin @sarah00zarah geantwortet. Sie wollte wissen, ob eingecremte Hände ein besserer Nährboden für Viren sind oder ein Schutz?

Eincremen ist eine gute Idee – einfach weil man sich doch jetzt häufig und lange die Hände mit Seife wäscht. Das trocknet die Haut aus, greift die Schutzschicht der Haut an. Die Hände werden ohne Creme trocken und rissig.

Sars-Cov2: Oberflächen sind unproblematisch

Ob trockene Haut das Risiko erhöht, sich mit Sars-Cov2 anzustecken – dazu gibt es noch keine Forschung. Nachweislich wird das Virus von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion übertragen, von Mund zu Mund also. Creme ist kein Nährboden, weil das Virus sich in menschlichen Zellen vermehrt.

″Sars-Cov2 vermehrt sich in den Zellen der Lunge und des Rachens. Das vermehrt sich nicht auf unserer Haut."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin