Nach dem Grubenunglück in Soma in der Türkei, gehen zehntausende Türken auf die Straße. Die Proteste richten sich gegen die Regierung. Der Grund: Der türkische Ministerpräsident Reccep Tayyip Erdoğan hat nach dem Unglück mit knapp 300 Toten lapidar gesagt, solche Unfälle kämen im Bergbau halt vor.

20.000 Menschen haben am Donnerstag (15.05.) in Izmir protestiert. Die Reaktion der Polizei: Tränengas und Wasserwerfer. Dahinter steckt die Taktik der Regierung keinerlei Proteste zuzulassen. Das spiegelt sich auch in den türkischen Medien wieder, sagt unser Türkeikorrespondent Thomas Bormann. Hier werde vor allem über das Unglück berichtet aber nicht über die Proteste und auch nicht über die Streiks, die es in anderen Bergwerken gab.

"Die Erdoğan-Gegner fühlen sich jetzt bestätigt, dass er mit der Linie 'Wachstum um jeden Preis' auch Tote bei Arbeitsunfällen in Kauf nimmt, damit die Wirtschaft weiter wächst."
Thomas Bormann

Die Wut wächst

Auch bei den Angehörigen der verunglückten Bergmänner wächst die Wut. Im Netz kursieren Videos, auf denen Leibwächter Erdoğans handgreiflich werden gegen wütende Bewohner. Auf einem anderen Video soll sogar Erdoğan selbst zu sehen sein, wie er einem 15-jährigen Mädchen eine Ohrfeige gibt, weil sie ihn fragt: Was macht der Mörder meines Vaters hier?.

Erdoğan ist fest im Sattel

Die Situation zeige vor allem, dass der Riss zwischen Erdoğan-Gegnern und Erdoğan-Anhängern immer größer wird, sagt Thomas Bormann. Es gebe nach wie vor sehr viel Türken, die Erdoğan für den wirtschaftlichen Aufschwung dankbar seien.

"Es ist nicht so, dass das ganze Land gegen Erdoğan aufsteht. Er sitzt hier in der Türkei fest im Sattel."
Thomas Bormann