Mit dem "Tag der Vermissten" macht das Deutsche Rote Kreuz auf seinen Suchdienst aufmerksam. Nicht nur Flüchtlinge nutzen diesen Dienst.

Nach wie vor gibt es auch Anfragen, die sich auf Menschen beziehen, die in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges verschwunden sind: 9000 allein in 2016. Mittlerweile sind es die Kinder sowie die Enkel, die wissen wollen, wo Familienangehörige ums Leben gekommen und begraben sind.

Ein Raum voller Regale mit Karteikarten. Zentrale Namenskartei des DRK-Suchdienstes in Hamburg (04.05.2015); Foto: dpa
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1945 wurde der Suchdienst gegründet. Mittlerweile hat das DRK über 20 Millionen Suchfälle archiviert. Die Zentrale Namenskartei in Hamburg umfasst rund 60 Millionen Karteikarten.

Manchmal finden sich sogar noch Überlebende - auch nach 72 Jahren. Im Sommer 2017 gelang es dem DRK, ein Geschwisterpaar wieder zusammenzubringen. Die Schwester ist 80 Jahre alt - ihr kleiner Bruder 75. Sie hatte geglaubt, dass ihr Bruder durch einen Bombenangriff getötet worden sei. Aber ihr Bruder lebte unentdeckt in Sachsen, denn bei der Registrierung hatte man seinen Nachnamen falsch geschrieben.

Heute helfen Smartphones, um Kontakt zu halten

Aktuell nutzen auch Flüchtlinge den Suchdienst des DRK - jedoch relativ wenige. 2015 und 2016 kamen gut 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht nach Deutschland. Dennoch: 2016 gingen beim Suchdienst 2800 Suchanfragen von Flüchtlingen ein, die auf der Flucht Familienangehörige verloren haben oder deren Kontakt zu ihren Familien zu Hause abgebrochen ist.

Mithilfe von Smartphones können Familien und Freunde heute besser Kontakt halten. Deshalb suchen oft jene Hilfe, die auf der Flucht ihr Handy verloren haben. Niemand hat heute mehr alle abgespeicherten Telefonnummern im Kopf.

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Bei Suchanfragen von Flüchtlingen ist häufig die Schreibung der Namen ein Problem. Das gilt vor allem auch für das Transkribieren arabischer Namen. Für Mohammed zum Beispiel gibt es viele unterschiedliche Schreibweisen, bei Suchanfragen ist es aber wichtig, dass Namen einheitlich geschrieben werden. Das zeigt das Beispiel des Geschwisterpaares.

Suche entlang der Fluchtroute

Flüchtlinge, die Familienangehörige vermissen, können auf der Webseite des DRK eine Suchanfrage stellen. Wichtig ist es, präzise die Fluchtroute der vermissten Person anzugeben. Viele Syrer sind zum Beispiel über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland gekommen. Der Suchdienst schickt dann die Anfrage an genau diese sechs Länder weiter - und zwar an die jeweiligen Partnerorganisationen vor Ort.

Das DRK arbeitet mit rund 190 nationalen Gesellschaften des Roten Kreuz und Roten Halbmonds zusammen. Das bedeutet eine Infrastruktur, über die kaum eine andere Hilfsorganisation verfügt.