Trotz vieler Versuche von Großkonzernen, den Tampon auch in China zu etablieren, bleibt das größte Land der Welt aus mysteriösen Gründen so gut wie Tampon-frei. Ein Geschäftsmann aus Harbin, ganz im Osten Chinas, nimmt jetzt einen neuen Anlauf.

Chinesinnen, die ihre Tage bekommen, benutzen Binden. Punkt. Es gab in China bisher unzählige Versuche, Tampons zu verkaufen. Sie sind alle gescheitert. Das hat viele Gründe: Chinesinnen sind es einfach nicht gewohnt, sich mit dem Thema Menstruation auseinanderzusetzen. Die allermeisten kennen keine Tampons und kaufen sie deswegen auch nicht. Das führt dazu, dass es in China kaum Tampons gibt, höchstens für den medizinischen Gebrauch.

"Deliang will den Frauen die praktischen Vorteile von Tampons erklären. Eigentlich will er damit das große Geschäft machen. Ich bin da, ehrlich gesagt, ein wenig skeptisch."
Steffen Wurzel, Korrespondent in China

Viele Chinesinnen wissen wenig über ihren Körper, sind nicht so aufgeklärt und vor allem junge Frauen fürchten, sie könnten beim Benutzen von Tampons ihre Jungfräulichkeit verlieren. Die Chinesinnen verwenden bislang ausschließlich Binden. Eine chinesische Frauenrechtlerin sagt, es geht sogar in die Richtung, dass den Frauen ausgeredet wird, sich für das Thema Menstruation zu interessieren und mal etwas anderes, etwa Tampons, auszuprobieren.

Aber immer mehr junge Chinesinnen verreisen oder studieren im Ausland und lernen andere Hygiene-Gewohnheiten kennen. Wenn sie dann wieder zurück nach China kommen, wollen manche auch dort kaufen, was sie in Amerika oder Europa kennengelernt haben. Deswegen fragen immer mehr Chinesinnen nach diesen Produkten oder bestellen sie im Internet. Aus heimischer Produktion gibt es sie bislang nicht zu kaufen und Importprodukte sehr teuer.

Der Aha-Moment kam beim Olympia-Schwimmen

Bei den olympischen Spielen im Sommer waren die chinesischen Schwimmerinnen sehr erfolgreich. Es gab eine Medaillengewinnerin, die nach ihrem Wettkampf in einem Live-Interview im Fernsehen gesagt hat: "Ich wäre eigentlich noch schneller geschwommen, aber ich habe gerade meine Tage."

Da dachten viele Fernsehzuschauer: "Was? Die hat ihre Tage und war im Wasser und ist geschwommen. Das ist ja total eklig. Wie funktioniert denn das?" Als die Schwimmerin darauf angesprochen wurde, erklärte sie, sie habe einen Tampon benutzt. Und das war der Moment, in dem viele Chinesinnen zum ersten Mal vom Thema Tampon erfahren haben.

Chinesischer Unternehmer Ye Deliang
© Steffen Wurzel
Der chinesische Tampon-Unternehmer Ye Deliang vor einer Karte seines künftigen Vertriebsgebiets.

Der chinesische Geschäftsmann Ye Deliang will diesen Moment nutzen und es noch einmal mit der Vermarktung von Tampons in China versuchen. Er plant, sie nach internationalen Standards in China selber herzustellen. Denn er sieht großes Potenzial in seinem Geschäftsmodell: In China leben 1,4 Milliarden Menschen, die Hälfte davon sind Frauen. Selbst wenn nur ein ganz geringer Prozentsatz von diesen 700 Millionen Frauen Tampons benutzen würde, wäre das ein Riesenmarkt.