Auf einem ganz speziellen Friedhof in Amsterdam werden jetzt menschliche Leichen für die Forschung bestattet. Der einzige Friedhof dieser Art in Europa soll neue Erkenntnisse über die Verwesung von Leichen liefern.

Begraben in einem Meter Tiefe ganz ohne Sarg, aber dafür mit wissenschaftlichen Messgeräten. So werden ein paar Dutzend menschliche Leichen ab Mitte des Jahres auf einem Forschungsfriedhof in Amsterdam bestattet. Schon unter der Erde werden die freigesetzten Gase und Substanzen vermessen, die von den menschlichen Körpern abgesondert werden.

Angst vor Gaffern mit Drohnen

Das Akademische Medizinische Zentrum in Amsterdam hat die Genehmigung für das Betreiben eines taphonomischen Friedhofs bekommen und arbeitet mit mehreren Unis und auch der Polizei zusammen.

Auf den 500 Quadratmetern in der Nähe eines Fast-Food-Ladens müssen die Leichen auf jeden Fall in der Erde vergraben werden. Zum einen wären die Gerüche der Verwesenden für die Anwohner nicht zumutbar, und zum anderen haben die Wissenschaftler Angst davor, dass Voyeure mithilfe von Drohnen Fotos machen und veröffentlichen könnten.

Extrem wichtige Daten für Kriminalbiologen

Vor allem für Forensiker können die Forschungsergebnisse immens wichtig sein, um bei Kriminalfällen genauere Angaben darüber zu machen, wann oder wo eine Leiche vergraben wurde. Denn je nachdem, welche Bakterien, Pilze oder Würmer in der Erde leben, verändert sich der Verwesungszustand eines menschlichen Körpers.

Auch wenn es solche Anlagen als so genannte Body Farms bereits seit längerem in den USA gibt, betonen die niederländischen Forscher die Wichtigkeit des Friedhofs in Amsterdam, weil das Klima in Europa ganz anders sei als in Nordamerika, und der Prozess der Verwesung nicht einfach eins zu eins übertragen werden könne.