Apple soll in den vergangenen Jahren aus Eigennutz weltweit zahlreiche Gruppierungen unterstützt haben, die den Kampf gegen den Klimawandel offen torpedieren. Das hat eine Untersuchung des gemeinnützigen Tech Transparency Projects ergeben.

Auf Konferenzen sprechen die Chefs der großen Techkonzerne Apple, Amazon, Microsoft und Co. gerne davon, wie wichtig es ist, die Klimakrise aktiv zu bekämpfen. Apple-Chef Tim Cook etwa hat öffentlich mehrfach versprochen, seinen Laden bis 2030 klimaneutral aufzustellen. Gleichzeitig fördern Firmen wie Apple allerdings offenbar still und heimlich Gruppen, die gegenteilige Interessen verfolgen.

Widersprüchliche Aktivitäten

Eine dieser Lobbygruppen ist die Texas Association of Business (TAB). Diese setzt sich nach Recherchen des Tech Transparency Projects nicht nur für die Förderung der Wirtschaft in Texas ein, sondern lehnt dabei gleichzeitig auch die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung vom menschengemachten Klimawandel ab. In der Vergangenheit habe sie sich zum Beispiel mehrmals offen gegen Maßnahmen ausgesprochen, die die Kohlenstoffemissionen reduzieren sollen.

"Die Mitgliedschaft in einem Wirtschaftsclub wie der Texas Association of Business bringt Apple laut Tech Transparency Project wichtige Vorteile und Verbindungen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Zum grünen Apple-Image passt die Unterstützung einer solchen Lobbygruppe nicht. Doch natürlich bringt die Mitgliedschaft in einem solchen Wirtschaftsclub wichtige Vorteile und Verbindungen: Laut der Untersuchung des Tech Transparency Projects ist Apple zufälligerweise genau zu dem Zeitpunkt Mitglied der TAB geworden, als die Techfirma begann, nach Texas zu expandieren.

Dass Apple es geschafft hat, hohe finanzielle Vorteile für sich an Land zu ziehen, hat der Untersuchung zufolge auch mit der Mitgliedschaft in der TAB zu tun: Demnach erhielt Apple bei der Planung des neuen Campus in der texanischen Hauptstadt Austin Nachlässe bei der Vermögenssteuer und Subventionen, die sich auf 25 Millionen US-Dollar summieren.

Klimaschädliches Engagement von Apple auch in Europa und Japan

Auch in Europa und Japan ist Apple Mitglied in vergleichbaren äußerst einflussreichen Wirtschaftsgruppen: In Europa ist das die Lobbygruppe "Business Europe" und in Japan eine Lobbygruppe namen "Keidanren".

"Die Gruppen machen laut Tech Transparency Project aktiv Lobbyarbeit gegen den Kampf gegen den Klimawandel."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Beide Gruppen machen laut Tech Transparency Project aktiv Lobbyarbeit gegen den Kampf gegen den Klimawandel. "Business Europe" wurde in einer britischen Untersuchung sogar als eine der fünf Gruppierungen benannt, die weltweit am stärksten die Pariser Klimaziele behindern. Apple ist laut Selbstauskunft dort Mitglied.

Außerdem unterstützt der Konzern der Untersuchung zufolge fast ein Dutzend Gruppen, die gegen das immer wieder geforderte "Recht auf Reparatur" lobbyieren. Also das Recht, unsere Smartphones und anderen elektronischen Gadgets reparieren zu lassen und nicht bei jedem kleinen Fehler gleich wegwerfen zu müssen. Um so die weltweiten Elektroschrott-Berge abzubauen.

Nicht besser: Amazon, Disney, Microsoft

Apple ist bei weitem nicht der einzige Tech-Konzern, der hintenherum klimaschädliche Gruppen unterstützt. Letztes Jahr wurde bekannt, dass Amazon, Disney und Microsoft Lobbygruppen unterstützen, die mit Millionensummen versuchen, das US-Klimaschutzgesetz von Joe Biden zu unterwandern.

"Amazon, Disney und Microsoft unterstützen Lobbygruppen, die mit Millionensummen versuchen, das US-Klimaschutzgesetz von Joe Biden zu unterwandern."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Gesetz – das mittlerweile ins Stocken geraten ist – will mit einem Billionen-Etat bislang nie dagewesene, weitreichende Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen. Die amerikanische Anti-Korruptions-Organisation Accountable.us wirft insgesamt 50 US-Unternehmen Heuchelei vor – darunter auch Apple, Amazon, Disney und Microsoft.