Zugeben will es keiner, wenn es zum Unfall kommt: Das Handy war im Spiel. Aber hilft überhaupt etwas gegen unsere Handy-Tipperei am Steuer?

Wir gucken im Schnitt 80 Mal täglich aufs Handy. Fast schon logisch, dass wir auch beim Autofahren nicht unsere Finger davon lassen können. Doch das Telefonieren und Tippen am Steuer nach einer Studie der Uni Braunschweig gefährlich: Wer 100 Kilometer pro Stunde fährt, legt in der Sekunde etwa 30 Meter zurück. Und wer dann nur vier oder fünf Sekunden schaut, ist 100 bis 120 Meter blind im Auto unterwegs, das hat Reporterin Melanie Fuchs bei Schaum oder Haase erklärt.

Dafür, dass Autofahrer dann blind unterwegs sind, werden sie strafmäßig noch einigermaßen verschont: Im Moment drohen Autofahrer, die am Steuer ohne Freisprechanlage aufs Handy schauen, 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Finger weg, aber wie?

Eine Möglichkeit wäre also, die Strafen erhöhen. In der Schweiz, in Frankreich und in Großbritannien ist die Handynutzung am Steuer überall teurer als bei uns. Am nachhaltigsten wäre aber: Alle würden kapieren, warum es gut wäre, es zu lassen. Kampagnen zu "Don't text and drive" versuchen genau das. Wer am Steuer ein Handy benutzt, hat dieselbe Reaktionszeiten wie ein Autofahrer, der 1,1 Promille im Blut hat. Sehr eindrucksvoll hat der Regisseur Werner Herzog die Gefahren in einer Dokumentation zusammengefasst. Darin kommen vor allem Unfallopfer zu Wort.

Für viele dieser Aufklärungskampagnen gilt: Texter, Raser oder Leute, die betrunken fahren, lassen sich nur bedingt von Erklärstücken beeinflussen. Vielleicht hilft es, den Druck erhöhen, dachte sich eine belgische Initiative und lud rasende Autofahrer zu ihrer eigenen Beerdigung ein. Für den maximalen Schockmoment.

Neben solchen drastischen Abschreckungsmethoden gibt es immer wieder Ideen für technische Lösungen: Bildschirmprojektionen etwa oder die Diktierfunktion für SMS und Whatsapp. Allerdings ist fraglich, ob sie wirklich den endgültig gewünschten Effekt erzielen. Denn Ablenkung bieten sie letztlich alle.

Wer nicht auf einen technischen Durchbruch wie etwa die automatischen Fahrer-Handysperre warten will, für den hat eine Kampagne aus Neuseeland eine ganz pragmatische Idee. Hier hilft der Beifahrer und sorgt gleichzeitig für Streicheleinheiten: Wenn der Fahrer nach dem Smartphone greift, dann soll der Beifahrer ihm zuvorkommen, seine Hand über das Handy legen und dem Fahrer die Hand geben. Das wäre ausprobierenswert - solange sich niemand erschrickt.