Unsere Reporterin Alena führt ein glückliches Leben mit Smartphone. Der Influencer Amadu lebt außerhalb seiner Wohnung ohne mobile Daten. Die Psychologin Julia Brailovskaia forscht zum Thema Medienkonsum und gibt Tipps, wie wir unsere Bildschirmzeit regulieren können.

Ungefähr fünf Stunden Bildschirmzeit pro Tag – das war der Durchschnitt der vergangenen Woche bei unserer Reporterin Alena Struzh. Stolz ist sie darauf zwar nicht, sagt sie, doch ihr Smartphone sei nun mal Teil ihres Lebens und die Möglichkeit, ihr Leben zu teilen. Das bedeute ihr viel.

Alena möchte Content produzieren

In Restaurants beispielsweise habe sie ihr Smartphone zwar nicht ständig in der Hand, doch Alena produziert gerne Content und möchte Fotos vom Essen machen, sagt sie. Nur bei wenigen Freundinnen landet das Gerät auch mal in der Tasche, um sich ganz auf das Gespräch konzentrieren zu können.

"Im Restaurant kommt es auf die Personen an, ob es auf dem Tisch liegt oder nicht. Aber eigentlich möchte ich Content produzieren und Fotos von einem Essen machen."
Alena Struzh, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Viele Menschen in ihrem Freundeskreis haben "krasse Bildschirmzeiten", sagt Alena. Kritik von außen gebe es kaum – wenn, dann kritisiere sie sich selbst. Sie versuche zwar ständig, ihre Bildschirmzeit zu regulieren, für Instagram beispielsweise kann ein Limit eingestellt werden, aber: "Das hab ich auf eine Minute gestellt, das hat gar nicht funktioniert", sagt sie. Jetzt ignoriere sie die Zeit einfach.

Smartphone: treuer Begleiter und emotionaler Freund

Genaue Richtwerte für eine gesunde oder ungesunde Smartphone-Nutzung gibt es nicht, sagt die Psychologin Julia Brailovskaia, die zum Thema Medienkonsum forscht. Eine Stunde pro Tag sei aber okay, fünf Stunden schon eher pathologisch. Die Zeit dazwischen sei eine Blackbox und eine sehr subjektive Sache. Und auch, wie wir das Gerät nutzen, sei wichtig.

"Man sagt so ungefähr eine Stunde pro Tag ist total okay, fünf Stunden sind schon pathologisch. Alles dazwischen ist so ein bisschen eine Blackbox.
Julia Brailovskaia, Psychologin

Das Smartphone spiele heute eine sehr wichtige Rolle in unserem Leben und habe auch eine emotionale Bedeutung. "Wir können uns mit anderen Menschen verbinden. Ich kann darauf gucken, wenn es mir nicht gut geht. Es kann mir Inhalte vermitteln, die helfen, dass es mir besser geht", sagt die Psychologin.

Abhängigkeitssymptome ähnlich wie bei Drogen

Smartphone-Sucht sei zwar noch kein etablierter klinischer Begriff, "aber wir wissen, dass es abhängig macht", sagt Julia. Die Abhängigkeitssymptome würden anderen Abhängigkeiten wie denen bei Alkohol oder anderen Drogen ähneln.

"Wir wissen, dass es abhängig macht, dass es bestimmte Abhängigkeitssymptome hervorruft, die anderen Abhängigkeiten hinsichtlich Alkohol oder auch Drogen sehr ähnlich sind."
Julia Brailovskaia, Psychologin

Beispiele dafür sind: Der Versuch, bei schlechter Laune die Stimmung durch Smartphone-Nutzung zu verbessern, statt Alternativen in der realen Welt zu finden. Auch Unwohlsein, körperliche Symptome wie schwitzige Hände bei Abwesenheit des Smartphones kämen vor.

Julia Brailovskaia
© Julia Brailovskaia
Die Psychologin Julia Brailovskaia

Auch Probleme auf der Arbeit, in der Schule oder im sozialen Umfeld aufgrund intensiver Nutzung seien Indikatoren. Ähnlich wie bei Drogen braucht es für die Befriedigung eine steigende Dosis, hier in Form längerer Scrollzeiten in den Apps zum Beispiel, so die Psychologin.

Feste Pausenzeiten können helfen

Um den Alltag mit Smartphone gesünder zu gestalten, sei Bewusstwerdung der erste Schritt, sagt Julia. Die Nutzungszeit könne reduziert werden, indem wir bestimmte Pausenzeiten festlegen – täglich von 18 bis 20 Uhr zum Beispiel. Das Umfeld könne uns dabei unterstützen. "Eine Woche lang eine Stunde weniger pro Tag das Smartphone nutzen, hat schon deutliche Effekte für die psychische Gesundheit", so die Psychologin.

Amadu: Ruhe und Leichtigkeit ohne mobile Daten

"Ich habe mich einfach super daran gewöhnt, mein Handy, wenn ich unterwegs bin, wirklich nur noch im Notfall zu nutzen", sagt Amadu aus Köln. Außerhalb seiner Wohnung hat der Influencer kein Internet, dafür aber mehr Ruhe, Leichtigkeit und weniger Druck in seinem Leben, sagt er.

"Es gibt einfach eine gewisse Ruhe, eine gewisse Leichtigkeit. Und ich verspüre nicht den Druck, ständig jemandem antworten zu müssen oder gucken zu müssen."
Amadu, hat keine mobile Daten

Ein Leben ohne Internet war auch vor dem Smartphone möglich, und dabei hat er es belassen, sagt er. Einen wirklichen Mangel verspüre er nicht. Klar gebe es mit mobilen Daten auch Vorteile , aber Amadu denkt altmodisch, sagt er, und fragt notfalls nach dem Weg. In der Regel recherchiere er Abfahrtszeiten, Orte, Wegbeschreibungen bereits zu Hause.

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Außerhalb von zu Hause erreichen ihn seine Freunde nur mit einem kurzen Anruf oder altmodischer SMS, sagt er. Die ständige Erreichbarkeit über mobile Apps würde ihn im Alltag nur von seinen eigentlichen Plänen abhalten.

Viel Zuschauerreaktionen nach Auftritt bei "Love Island"

Amadu war Kandidat bei der RTL 2-Dating-Show "Love Island". Nachdem bekannt wurde, dass er keine mobilen Daten nutzt, gab es viele Zuschauerreaktionen. Es habe ihn selbst geschockt, dass es darüber so viel Erstaunen gab, sagt er.

Was, wenn das Handy mal kaputtgeht? Dann müsse man natürlich auch ohne zurechtkommen. Amadu glaubt, dass viele Menschen dann aufgeschmissen wären. Diese Eigenständigkeit ohne Smartphone klarzukommen, wolle er nicht verlieren. So behalte er sich ein Gefühl von Freiheit, die ihm helfe, Momente intensiver zu leben und zu genießen.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Alena ist das Smartphone unglaublich wichtig
  • Psychologin Julia Brailovskaia über unser Smartphone-Verhalten
  • Amadu lebt ohne mobile Daten und fühlt sich vom Smartphone unabhängig
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gesprächspartnerin:  Alena Struzh, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Gesprächspartner:  Amadu, hat keine mobile Daten