Gestern (09.05.2018) schickte Waldimir Putin ein Glückwunsch-Telegramm an den frischgewählten armenischen Ministerpräsidenten. Und auch Angela Merkel gratulierte Donald Trump zu seinem Wahlsieg 2016 per Telegramm. In Zeiten von Messengerdiensten doch eine sehr spezielle Art der Kommunikation. Wir haben testweise auch ein Telegramm aufgegeben - nach 24 Stunden hat es die Redaktion noch nicht erreicht. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters hat noch nie ein Telegramm bekommen und auch noch nie eines verschickt. Bis gestern. Denn da hat er sein erstes 160-Zeichen-Telegramm auf der Website der Deutschen Post in Auftrag gegeben. Eingetippt wird der Text in ein kleines Fenster, daneben zeigt ein Counter die Anzahl der verbleibenden Zeichen.

"Mit jedem Buchstaben, den ich eingetippt habe, hat der Buchstaben-Counter weiter zurückgezählt. Denn es kommt ja auf die Zeichenanzahl an."
Dominik Peters, Deutschlandfunk Nova

Verschiedene Telegramm-Versionen zur Auswahl

Entscheiden wir uns, das Telegramm bei der Post zu beauftragen, haben wir die Wahl zwischen zwei Preisstufen:

  • In der einfachen Basisversion kostet das Mini-Telegramm mit bis zu 160 Zeichen 12,90 Euro.
  • Das Maxi-Telegramm - ebenfalls in der Basisversion - mit bis zu 480 Zeichen ist für 18,35 Euro zu haben.

Basisversion bedeutet dabei eine Version ohne sogenanntes Schmuckblatt, eine Art Deckblatt. Dafür bietet die Post verschiedene Motive an, Luftballons zum Beispiel. Reporter Dominik hat sich für ein Sektglasmotiv entschieden. Insgesamt hat ihn das 17,10 Euro gekostet. Ein stolzer Preis für eine kurze Nachricht mit ein paar Gläsern auf dem Cover. 

"Dafür, dass das letztendlich eine popelige, ausgedruckte 160-Zeichen-Mail auf Sektglaspapier ist, fand ich dann x Stunden warten und 17,10 Euro zahlen doch sehr viel."
Dominik Peters, Deutschlandfunk Nova

Die Post hat für die Zustellung keine eigenen Boten. Das Telegramm kommt ganz normal mit der Post. Wenn es denn kommt. Das Telegramm von Dominik ist nach 24 Stunden noch nicht in der Redaktion eingetroffen. Wir warten weiter... 

Dass das Telegramm wohl nicht mehr ganz weit vorne ist, fand auch der größte französische Telekom-Konzern Orange. Er hat nach 139 Jahren am 2. Mai 2018 die Einstellung seines Telegramm-Dienstes verkündet. Und zwar via Twitter, wie sonst? Noch im April soll das Unternehmen rund 1.400 Telegramme verschickt haben. 

Zustellung früher per Boten

Früher musste, wer ein Telegramm aufgeben wollte, dafür ins Telegrafenamt oder das Postamt gehen. Möglich war außerdem, seinen Text per Telefon durchzugeben. Das geht heute übrigens immer noch. Damals haben die Postangestellten den Text in einen Fernschreiber getippt, eine Art Schreibmaschine, die die einzelnen Buchstaben und Satzzeichen automatisch codiert. Anschließend wurden sie über elektrische Impulse an eine Telegrafenstation in der Nähe des Empfängers übertragen. Dort wurde diese Nachricht dann auf Papier übertragen und danach mit einem Motorrad zum Empfänger gebracht. So erreichte die Botschaft in ein paar Minuten, spätestens aber nach ein paar Stunden, ihren Empfänger. 

Telegramme nicht nur bei der Post 

Nicht nur die Post bietet in Deutschland Telegramme an, auch andere Anbieter wie zum Beispiel Telegrammdirekt. Nach eigenen Angaben hat dieser Anbieter 2001 den offiziellen Telegrammdienst von der Deutschen Telekom übernommen. Und er arbeitet - ebenfalls nach eigenen Angaben - mit den offiziellen Telegrammdiensten in über 225 Ländern zusammen und stellt Telegramme in vielen Ländern innerhalb weniger Stunden zu. In Deutschland sei sogar eine halbe Stunde möglich. Die Homepage von Telegrammdirekt sieht allerdings ziemlich veraltet aus, stellt Reporter Dominik fest. 

Sowohl die Post als auch Telegrammdirekt werben damit, dass ein Telegramm eine originelle Überraschung sei. Als Geburtstagsgruß oder Einladung zu einem Geschäftstermin, um Kunden zu generieren etc.. Telegrammdirekt wirbt auch damit, dass Telegramme eine gute Möglichkeit seien, Zahlungen, Mahnungen oder Kündigungen "rechtsgültig und schnell" zuzustellen.