Ob sinnvoll oder nicht: Forscher arbeiten an der Idee, auf anderen Planeten zu leben, zum Beispiel dem Mars. Spezielle Bakterien könnten dafür entscheidend sein.

Die menschliche Neugier ist oft ein starker Antreiber: Sie sorgte unter anderem für die Landung auf dem Mond, für die Beobachtung des Weltalls mit spektakulären Teleskopen und die Erforschung der Frage, ob wir vielleicht irgendwann auf einem anderen Planeten leben können. Zum Beispiel dem Mars.

Der Mars-Rover Preseverance ist gerade dabei, den roten Planeten zu erforschen. Andere Wissenschaftler sind schon einen Schritt weiter:

Mit der Idee des Terraforming arbeiten sie an einer Möglichkeit den Mars für Menschen bewohnbar zu machen. Terraforming bedeutet die Umformung von anderen Planeten in bewohnbare, erdähnliche Himmelskörper, durch Einsatz von Technologie.

Erste irdische Bewohner auf dem Mars könnten spezielle Bakterien sein: Cyanobakterien. Das sind kleine blaugrüne Zellen, die auch Blaualge genannt werden.

Landschaft auf dem Mars. Im Vordergrund ist ein Teil des Mars Rover Preserverance zu sehen. Im Hintergrund staubiger Boden und einzelne Steine.
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NASA Rover Preseverance auf dem Mars

Was die Cyanobakterien für das Terraforming interessant macht: Sie produzieren Sauerstoff. Und das haben sie nach Erkenntnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern schon vor 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde gemacht.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Bedingungen auf der Erde noch lebensfeindlich. Durch Fotosynthese und Sauerstoffproduktion haben die Bakterien eine Grundlage für viele neue Lebensformen auf der Erde gebildet. Sie waren also sozusagen Pioniere des Terraformings.

Sie brauchen nämlich nicht viel zum Wachsen und Überleben: Kohlenstoff (am besten CO2), etwas Wasser und Licht – das reicht ihnen, um Biomasse und Sauerstoff zu produzieren: Grundlage für die Entstehung von weiteren Lebensformen wie Bakterien, Pilzen und Tieren.

Cyanobakterien unter einem Lichtmikroskop. Eine Reihe von gelb umrandete Zellen.
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Cyanobakterien unter einem Lichtmikroskop

Außerdem sind Cyanobakterien sehr robust. Sie könnten auf dem Mars einige Zeit überleben, zum Beispiel die Blaugrüne Felskugel. Auf der Erde wächst diese Art der Cyanobakterie in Wüsten und auf Steinen in der Antarktis. Sie braucht nur wenig Wasser zum Überleben. Fünf bis sechs Tage leichte Benetzung reichen aus.

Es gibt Wasser auf dem Mars. Allerdings nur in gefrorener Form. Die durchschnittliche Temperatur auf dem Planeten beträgt minus 60 Grad Celsius. Und oft gibt es auch zu wenig Licht. Die Bakterien könnten also nicht einfach mit einem Roboter auf dem Mars verteilt werden, und der Rest würde von alleine passieren. Es muss nachgeholfen werden.

Die Idee des Terraformings

Zwischen 1980 und 2000 hat die NASA Konzepte zum Terraforming erdacht. Eine Idee: mit Spiegeln die Temperatur an Stellen auf dem Mars regional erhöhen und so eine Möglichkeit zu schaffen, dass die Cyanobakterien besser wachsen können.

Allerdings würde es Millionen Jahre dauern, bis sie eine nennenswerte Menge Sauerstoff produziert hätten. Und: Mittlerweile gilt das Terraforming als Verseuchung eines fremden Planeten mit unabsehbaren Folgen. Darum wird die Nutzung von Cyanobakterien in der Raumfahrt inzwischen nur noch als Nutzung in geschlossenen Systemen erforscht.

An der Universität Bremen zum Beispiel werden dazu Versuche gemacht. Die Cyanobakterien sollen in einem Reaktor Biomasse und Sauerstoff für eine Marsstation produzieren. Dabei geht es darum die Ressourcen, die zum Überleben der Stationscrew gebraucht werden vor Ort zu produzieren und zu recyceln.

Die Forschenden der Uni Bremen haben einen Unterdruck-Photobioreaktor entwickelt, der die nötigen Voraussetzungen für das Wachstum der Bakterien auf dem Mars schaffen kann. So ein Reaktor könnte als Teil einer Station auf dem Mars installiert werden.