Ganze Landstriche im Norden Malis haben schlechtes oder gar kein Internet mehr. Terroristen haben es auf Mobilfunkmasten abgesehen. Sie selbst brauchen sie nicht, um miteinander zu kommunizieren.

Im westafrikanischen Mali herrscht seit Jahren ein Konflikt zwischen mehreren Parteien: Terroristengruppen und Milizarmeen stehen auf der einen Seite und malisches Militär auf der anderen Seite. Letzteres wird von Truppen aus Frankreich und den Vereinten Nationen unterstützt.

Eine der Parteien, die in diesem Konflikt mitmischt, ist die mit Al-Qaida verbundene Terrorgruppe Dschamāʿat Nusrat al-Islām wa-l-Muslimīn (englische Abkürzung: JNIM). Diese hat es Beobachtern zufolge seit einigen Wochen auf ein Ziel abgesehen, für das Terrorgruppierungen bislang eher nicht bekannt sind: Mobilfunkmasten.

"Wir bleiben wochenlang ohne Neuigkeiten über das Land oder unsere Eltern."
Anassa Maiga, Einwohnerin von Gao, Mali, gegenüber dem Magazin "Rest of the World"

Die Mobilfunkmasten werden zerstört, sodass in diesen Gegenden das Internet und der Mobilfunk gestört sind oder sogar komplett ausfällt. Manche Menschen sind für Tage oder Wochen von der Kommunikation abgeschnitten. Auch Unternehmen, Geschäfte und Banken sind davon betroffen. Zahlungen sind nicht mehr möglich, das Wirtschaftsleben teilweise lahmgelegt.

"Die Terroristen richten einen großen Schaden mit kleinen Mitteln an", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte – sie können so Druck auf die Regierung ausüben. Gleichzeitig würden sie sich mit der Störung der Kommunikation einen Vorteil verschaffen: Ohne Mobilfunk und Internet kann die Bevölkerung die Aktionen der JNIM-Gruppierung nicht mehr melden. Die Terroristen können sich aber weiterhin per Funk verständigen.

Schutz der Mobilfunkmasten kaum möglich

Die Regierung Malis kann gegen die Zerstörung der Mobilfunkmasten kaum etwas tun. Würden die Mobilfunkmasten durchs Militär bewacht, wären die entsprechenden Soldaten großer Gefahr ausgesetzt, denn sie wären ein leichtes Ziel für die Terroristen. Die Alternativen sind teuer: Massiv ins Militär investieren und die Mobilfunkmasten großflächig abschirmen. Oder mehr Geld in die Kommunikationstechnik investieren, sodass der Ausfall einzelner Masten keinen solch großen Schaden anrichtet.

Eine andere Möglichkeit wäre, Internet per Satellit zu beziehen. Allerdings ist das ebenfalls teuer, und die Bandbreite aus dem All reicht noch nicht für ein Land mit mehreren Millionen Einwohnern.