Wann habt ihr den letzten Liebesbrief bekommen? So richtig per Post, in einem Umschlag? Lange her, oder? Wahrscheinlich war es eher ein Emoji mit Herzchen-Augen. Klar ist: In Deutschland werden immer weniger Briefe verschickt. Das weiß auch die Deutsche Post – und will ihr Liefersystem umstellen.

"Die Post will einfach nicht mehr so oft ausliefern."
Kevin Frisch, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Post testet verschiedene Modelle: Manche Testpersonen konnten sich ihre Sendungen nur noch einmal oder dreimal die Woche nach Hause schicken lassen. Andere fünfmal – dann aber an den Arbeitsplatz.

Wie schaut eigentlich mein Postbote aus?

Wie euer Paketbote aussieht, wisst ihr vielleicht noch – der kommt ja auch (meistens) an die Tür. Beim Briefträger wird es schon schwieriger. Wobei viele kein Problem damit haben: Wer interessiert sich schon dafür, wer einem die Rechnungen einwirft? Abgesehen davon…

"Ich finde es besser, per E-Mail Rechnungen zu bekommen - ich bin gegen den ganzen Papierkram."
Passantin an der Uni Köln

Der Plan der Post, das bedruckte Papier nur noch einmal in der Woche zum Kunden zu bringen, stößt aber auch auf deutliche Kritik.

"Mich würde das total stören - manchmal erwartet man ja auch wichtige Post!"
Eine andere Passantin an der Uni Köln

Allerdings müsst ihr euch keine Sorgen machen, dass das neue System ab sofort flächendeckend eingeführt wird: Die Deutsche Post hat einen Versorgungsauftrag, zu dem sie verpflichtet ist – sie muss euch also jeden Tag eure Briefe bringen. Der Test war mit der Bundesnetzagentur abgestimmt. 

Gesetzesänderung notwendig

Dass die seltenere Auslieferung die Regel werden könnte, dafür müsste erst das Gesetz geändert werden, hat uns die Bundesnetzagentur bestätigt. Wirklich dringende Schriftsachen, wie etwa Eilbriefe, sind von dem Test übrigens auch erst mal ausgenommen. 

"Es ist erst mal nur ein Test, ob da überhaupt jemand Bock drauf hat."
Kevin Frisch, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bedeutet das denn jetzt auch, dass es in Zukunft weniger Postboten geben soll? Die Gewerkschaft Verdi hat direkt Alarm geschlagen. Die Deutsche Post streitet solche Pläne ab. Richtig ist aber: Das Geschäft mit den Briefen wird immer unbedeutender. 

  • Vor zehn Jahren waren es noch 70 Millionen Briefe pro Tag 
  • Heute sind es nur noch rund 60 Millionen am Tag
  • Dafür werden aber immer mehr Pakete verschickt – und genau dafür werden dann wohl auch mehr Mitarbeiter gebraucht

Was nach dem Test passiert, ist noch nicht klar. Es ist ein reiner Pilottest, der noch bis Ende September läuft. Alle Teilnehmer wurden vorher angefragt.  

"Ich kann mir gut vorstellen, dass die Post sich das auch als weiteren Schritt der E-Post vorstellt."
Kevin Frisch, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Es gibt nämlich schon den E-Postscan: Eure Briefe werden gesichert, eingescannt und euch per Mail geschickt. Der gedruckte Brief kommt dann trotzdem, nur eben später.