Das perfekte Buch für den Moment...

...wenn dein Opa vom Krieg erzählt

Der Schriftsteller Matthias Nawrat hat sich von seinen Großeltern berichten lassen, was sie erlebt haben, in Polen, wo er selbst auch geboren wurde, und wo seine Großeltern lebten. Jahrelang hat er mitgeschrieben, recherchiert, probiert und solange gewartet, bis er den perfekten Ton getroffen hat, um seine Familiengeschichte zu erzählen.

Als Opa Jurek seine Enkel ein letztes Mal sieht, weint er. Aber nicht jammernd oder schluchzend, nein, Opa Jurek weint ganz still, und dabei sieht er ihnen mitten ins Gesicht. Und sie umarmen ihn, weil er weint. Und dann sagt er, dass sie sich merken sollen, was er ihnen erzählt habe. Und dass sie ja nichts vergessen, und auch ab und zu an ihn denken sollen.

Drei Monate später ist Opa Jurek tot

Jureks Enkel waren noch Kinder, als die Familie seiner Tochter von Polen in die BRD auswanderte. Das liegt einige Jahre zurück. Damals wussten sie alle nicht, ob sie sich jemals wiedersehen würden, wegen der sogenannten Weltlage. Da gab es nämlich noch die DDR. Seit dem Fall der Mauer ist vieles anders, sowohl in Deutschland, als auch in Polen. Die Enkel, inzwischen fast erwachsen, besuchen ihren Opa seitdem regelmäßig im polnischen Opole. Dieses Mal allerdings zum letzten Mal. Um ihn zu beerdigen, aber auch, um sich gemeinsam an ihn und seine Geschichten zu erinnern.

"Im Grunde können sich alle glücklich schätzen, dass er erst jetzt gestorben ist. Oft sei er fast gestorben: Vor Angst, vor Erschöpfung und vor Hunger. Aber nur fast."
Lydia Herms über das Buch "Die vielen Toten unseres Opas Jurek"

"Die vielen Tode unseres Opas Jurek" heißt der neue Roman von Matthias Nawrat, erzählt aus der Perspektive von Enkeln. In unzähligen Gesprächen hatte ihnen der Opa immer wieder aus seinem Leben in Polen berichtet, von der sogenannten schwierigen Zeit zum Beispiel, als er vor mehr als 50 Jahren kaum älter war als sie, und von der Zündkerzenfabrik in Warschau abgeholt wurde. Von zwei Deutschen. Zu einem Gespräch. Doch stattdessen fährt der Transporter in einen Wald. Pinkelpause heißt es offiziell. Opa Jurek kniet auf dem Waldboden, etwas Metallenes im Nacken. Die Deutschen lachen. Da stirbt Opa Jurek einen seiner vielen Tode.

"Scheinbar unbeschwert erzählt er viele Jahre später seinen Enkeln von der schlimmsten Zeit seines Lebens."
Lydia Herms über das Buch "Die vielen Toten unseres Opas Jurek"

Die Deutschen hatten ihn nach Auschwitz gebracht, in das Konzentrationslager, als es noch Arbeitslager war, und bevor es zum Vernichtungslager wurde. Dort musste er sinnlose Arbeiten verrichten, wie zum Beispiel stundenlang im Regen Ziegelsteine halten. So wie er das Lager überlebt, so überlebt er im Lauf seines Lebens jede Menge anderer schlimmer Situationen. Wie ein Chamäleon passt er sich den widrigen Umständen an. Ein Leben lang wird er daran glauben, daran, dass Delikatessen Leben retten können, je mehr, desto besser, am besten eine ganze Kammer voll.