Die Tür ist zu, der Schlüssel liegt aber noch auf der Kommode. Ärgerlich aber ihr habt ja noch euer Smartphone in der Tasche. Also schnell den nächsten Schlüsseldienst googeln? Das kann teuer werden.

Schnell die Jacke angezogen, die Tasche gegriffen und raus aus der Wohnungstür. Zuziehen und dann merkt ihr es: Der Schlüsselbund liegt noch drinnen auf dem Schuhschrank. Ein Schlüsseldienst muss her und zwar schnell. Zum Glück habt ihr ja noch das Smartphone in der Hand. Mal eben schnell googeln und schon macht ihr den zweiten Fehler. Weil es offenbar eine ganze Menge schwarzer Schafe gibt, die genau auf so eine Notsituation spekulieren.

Dabei ist ziemlich klar, was ihr in so einem Fall googelt. Schlüsseldienst und den Ort oder Stadtteil, denn der Nothelfer soll ja möglichst schnell da sein, der Anfahrtsweg kurz und die Kosten niedrig. Dazu bekommt ihr eine Liste mit Treffern mit Anrufen-Symbol und einem Ausschnitt des Kartendienstes Google Maps.

Das Problem: Wer einen der ersten Google-Suchtreffer auswählt und die kostenfreie Hotline wählt, hat große Chancen, eben nicht beim Betrieb im Nachbarviertel zu landen, sondern bei einem Callcenter. Das Geschäftsmodell ist offenbar global - darauf deutet ein Artikel aus der New York Times hin. Demnach breitet sich in den USA gerade eine regelrechte Epidemie aus. Eine Zentrale nimmt die Daten auf und schickt dann einen Subunternehmer irgendwo in der Nähe oder auch etwas weiter entfernt los. Und der macht dann an der Tür Theater - redet von besonderen Schwierigkeiten und will auf jeden Fall viel mehr Kohle sehen, als am Telefon vorher vereinbart.

An die Spitze der Trefferliste kaufen

Ein Gebaren, das viele wahrscheinlich noch aus analogen Zeiten kennen. Mit dem großen Unterschied, dass sich dubiose Anbieter 2016 sehr aggressiv mit AdWords an die Spitze der Trefferliste kaufen - offenbar ein lukratives Geschäft, selbst wenn so eine Anzeige bei jedem Klick 30 Dollar kosten kann. Und dann gibt es noch den Trick, die Ortseinträge bei Google Maps, also die kleinen roten Markierungen - zu faken. So einen Eintrag kann nämlich jeder anlegen - Google überlässt die Überprüfung Freiwilligen - sogenannten Mappern. Und manchmal arbeiten wohl auch Betrüger selbst als Mapper. Teilweise gibt es sogar gefakte Webseiten mit Fotos von Gebäuden, die aber am angegebenen Ort überhaupt nicht stehen.

"Wenn ein Notfalldienst bei Google ganz oben steht, dann ist das zumindest ein Indiz dafür, dass etwas faul sein könnte."
Netzreporter Michael Gessat

Grundsätzlich funktioniert diese Masche aus den USA auch bei uns - Tobias Gillen vom Blog BasicThinking hat da schon im vergangenen Sommer drüber berichtet. Damals hatten Schlüsseldienst-Anbieter im Blog Spam-Kommentare hinterlassen, um einen Link auf eigene Web-, Facebook- oder Google+-Seiten reinzuschmuggeln. Gillen hat recherchiert, und wie sich rausstellte, waren die Webauftritte von verschiedenen lokalen Firmen gefaked - und jedes Mal steckte ein und derselbe Anbieter dahinter. Eine Masche, die nicht nur bei Schlüsseldiensten, sondern auch Autoglas-Notdiensten funktioniert.

Was tun? Eine Garantie, dass ein Anbieter, der tatsächlich vor Ort einen Laden hat, seriös ist, gibt es auch nicht. In jedem Fall solltet ihr vorsichtig sein, wenn ein Notfalldienst bei Google oder Google Adwords ganz oben erscheint - das könnte ein Indiz sein, dass etwas faul sein könnte. Weil die Anzeige so teuer ist, dass am Ende der Kunde draufzahlen muss.