Der Dokumentarfilm "The Artist & The Pervert" zeigt ein Paar, das BDSM praktiziert und reflektiert über Rollen- und Machtverteilung. Für Georg zum Beispiel ist es nicht ganz einfach: Er ist Feminist, sexuell aber dominant.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zeigt der Dokumentarfilm "The Artist & The Pervert": Die Liebe zwischen dem österreichischen Star-Komponisten Georg Friedrich Haas, der aus einer Nazi-Familie stammt, und der Afro-Amerikanerin Mollena Williams-Haas, deren Vorfahren versklavt wurden und die als Dozentin in der BDSM-Szene aktiv ist (BDSM: Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism). Eine Stunde Liebe spricht mit den Berliner Filmemachern Beatrice Behn und René Gebhardt über ihre Doku.

"Wir sind der Gegenentwurf zu '50 Shades of Grey'. Wir zeigen, wie BDSM im Alltag aussieht. Es geht um die Art, wie Machtverhältnisse anders strukturiert sind."
Beatrice Behn, Filmemacherin

Georg Friedrich Haas und Mollena Williams-Haas haben über 40 Jahre nach dem richtigen Partner gesucht und sich über Online-Dating kennengelernt. Schnell entstand eine offene BDSM-Beziehung, bei der Mollena Georgs Sklavin ist. Der berühmte Gegenwartskomponist klassischer Musik bezeichnet sie aber auch als seine Muse.

"Ich definiere es als eine Beziehung zwischen zwei gleichberechtigten Menschen mit einem ungleichen Machtverhältnis."
Mollena William-Haas

"The Artist & The Pervert" ist keine sexuell aufgeladene Doku, wie man beim Stichwort BDSM vermuten würde. Es geht dem Paar eher darum, über ihre Rollenaufteilung offen zu erzählen. Um finanzielle Abhängigkeit zu vermeiden, haben die beiden zum Beispiel einen Vertrag aufgesetzt, der Mollenas Unterhalt im Fall einer Trennung klar regelt. Sie ist nicht nur Partnerin, sondern auch eine Art Vollzeit-Managerin für Georg. Sie tauschen sich auch über künstlerische Projekte aus.

"Als ich verstanden habe, dass ich sexuell dominant bin, war das sehr problematisch für mich als linksorientierter Mensch, als Feminist."
Georg Friedrich Haas

Ein Jahr lang haben die Berliner Dokumentarfilmer Beatrice Behn und René Gebhardt das Paar mit der Kamera begleitet. Entstanden ist eine Doku, die zum Denken anregt, unabhängig von sexuellen Präferenzen.