Mit der Angst vor Flüchtlingen wird in vielen europäischen Ländern Politik gemacht. Mit 'The Inner World: Der Letzte Windmönch' kommt jetzt ein Game auf den Markt, das sich eindeutig gegen Fremdenfeindlichkeit positioniert und mit Witz und Humor der Gesellschaft einen Spiegel vorhält, ohne dabei allzu sehr die Politikkeule zu schwingen.

Asposien ist eine sehr bunte und friedliche Fantasiewelt mit lauter schönen Details: Es liegt inmitten eines unendlichen Erdreiches. "Ein großes, rundes Loch, bewohnt von den gestreiften Asposern. Beatmet wird es von nur vier Windbrunnen. Seit jeher wurden diese Quellen von den Windmönchen bewacht. Sie waren eins mit dem Wind. Und manchmal auch mit dem Glücksspiel. Oder dem Wurzelbier." – so wird es im Spiel erzählt.

Die Spitznasen haben Angst vor den Flötennasen

Die Asposer sind Spitznasen. Und dann gibt es noch Flötennasen wie Robert, einer der Protagonisten des Spiels. Flötennasen sehen eigentlich genauso aus wie Spitznasen - statt spitzer Nase haben die aber eine Flöte.

"Und genau da kommt die Fremdenfeindlichkeit und die Angst vor dem anderen ins Spiel. Denn in Asposien hat ein gewisser Emil das Sagen. Und der behauptet, dass die Flötennasen einen der obersten Windmönche, die Spitznase Conroy, um die Ecke gebracht haben. Angeblich wollten damit die Flötennasen die Macht an sich reißen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk Nova

Die Asposer tragen rote Armbinden, ihr Symbol ist eine Art Brezel. Dazu hängen überall Schilder mit durchgestrichenen Flötennasen. Manche Asposer kleiden sich auch mit Knickerbocker-Hose und hohen Stiefeln - und erinnern damit stark an die SS in der Nazizeit.

"Faschismus, Fanatismus, Verschwörungstheorien sind hier Teil dieser Fantasywelt."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk Nova

Ziel des Spiels ist es, letztlich zu verhindern, dass die Flötennasen vernichtet werden. Das Thema mutet ziemlich düster an, doch " 'The Inner World' kriegt tatsächlich die Mischung aus ernster Thematik und Humor ziemlich gut gewuppt", sagt unsere Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin Jana. 

Das Point&Click-Adventure lebt vor allem durch die Hauptfigur Robert. Zwar ist der als Flötennase direkt durch die Verfolgung in Asposien betroffen, doch indem er sich einen Nasenschoner überzieht, fällt er gar nicht weiter auf. "Dadurch kann er dann durch naive Fragen mit den ganzen Brezelanhängern plaudern und nebenbei ihre Motive hinterfragen", so unsere Spieletesterin.

"Es ist schon ein klares Statement gegen Ausgrenzung, gegen Vereinfachung von Thematiken und dem Versuch, bewusst zu machen, was Angst vor dem Fremden mit uns macht."
Sebastian Mittag, Spielentwickler von 'The Inner World: Der Letzte Windmönch'

Ursprünglich haben die Entwickler das Spiel eher als Hexenverfolgung geplant. Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben sie dem Ganzen dann aber einen anderen Dreh gegeben, so Jana. Sebastian Mitte und seine Kollegen wollen mit dem Spiel niemanden erziehen, sagt Jana: "Und das macht es, finde ich, nicht. Es versucht nur zu zeigen, was passiert, wenn Menschen vor etwas Angst haben und keine Gesetze mehr gelten."

"Empfehlungsdaumen hoch, auch weil mir gefällt, dass die Entwickler einen politischen oder gesellschaftlichen Kommentare gewagt haben."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk Nova