Millionen von Plastikteilchen schwimmen im Meer. Boyan Slat, 24, will das ändern. Seit 2013 kämpft er für seine Vision. Die erste Saubermachaktion startet vor der Westküste der USA. Unser Reporter Matthis Dierkes hat sich das Projekt angeschaut und findet, es verdient Respekt, auch wenn noch Fragen offen sind.

Der Niederländer Boyan Slat gibt nicht auf. Er will Millionen von Plastikteilen aus den Meeren holen. Dafür gründete der 24-Jährige 2013 das Projekt The Ocean Cleanup und sammelte mehrere Millionen Euro. Doch der Start verzögerte sich. Anscheinend ist es nicht so einfach, unser Plastik aus dem Meer zu holen.

The Ocean Cleanup: Röhre plus Vorhang

Aber am Samstag (08.09.2018) geht es los. Dann wird die erste Filteranlage losgeschickt, und zwar in den USA, vor der West-Küste bei San Francisco. Die Anlage wird viel zu tun haben, denn vor ihr treibt der traurig berühmte "Great Pacific Garbage Patch". Dieser riesige Strudel mit Plastikmüll ist etwa vier Mal so groß wie Deutschland und treibt mitten im Nirgendwo – im Pazifik zwischen Hawaii und Kalifornien.

Die Saugertechnik von 'The Ocean Cleanup': Das Projekt Ocean Cleanup will im nächsten Jahr mit der Säuberung des Pazifiks vom Plastikmüll starten.
© The Ocean Cleanup/dpa
So sieht die Filteranlage von oben aus. Sie bewegt sich allein durch die Strömung durch den Ozean.

Die Saubermachaktion soll durch eine riesige schwimmende Filteranlage gelingen. Die besteht aus einer 600 Meter langen Röhre, die mit der Strömung durch das Meer treibt und ein bisschen an eine riesige Schwimmnudel erinnert, die ein Gigant auf dem Meer hat liegen lassen.

Unten an der Röhre ist eine Art Vorhang befestigt, der drei Meter ins Wasser reicht. In ihm sollen sich die vorbeitreibenden Plastikteile festsetzen. Alle paar Wochen kommt ein Schiff und bringt den gesammelten Müll zur Küste. Dort wird das Plastik recycelt oder verbrannt. Für einen Plastikteppich wie den "Great Pacific Garbage Patch" wird es mehr als eine Filteranlage brauchen.

An Land ist eine Röhre aufgebaut, an der eine Art Vorhang, der Plastikmüll aus dem Meer fischen soll. Es ist die Filteranlage des Projektes "The Ocean Cleanup".
Herzstück der Filteranlage ist ein Vorhang, in dem sollen sich die Plastikteile im Meer festsetzen.

Das Projekt ist absolutes Neuland

Aber das Ganze ist nicht so einfach. Kritik kommt auch von Meeresbiologen, die befürchten, dass Meerestiere in der Filteranlage hängen bleiben könnten, nicht wieder freikommen und verenden.

Es gibt noch mehr offene Fragen. Das ist auch klar, denn Boyan Slat probiert etwas ganz Neues aus. Unsicher ist, ob sich möglichst viele, auch kleine Plastikteile im Filter festsetzen. Ebenso, ob die Filteranlage Wind und Wellen aushält. Natürlich wurde alles am Computer vorab simuliert, aber nun muss die Anlage die Bedingungen auf dem offenen Meer bestehen.

"Wir können das nur herausfinden, wenn wir das System einmal komplett im 'Great Pacific Garbage Patch' testen."

Aber selbst, wenn alles funktioniert, wird "The Ocean Cleanup" nicht das Müllproblem in den Meeren lösen können, sagt unser Reporter Matthis Dierkes.

"Auch, wenn sie es schaffen, kratzen sie nur an der Oberfläche des Problems. Tiefer im Meer ist noch viel mehr Plastikmüll."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ebenso wird der Filter nicht das Mikroplastik aus dem Meer fischen können. Diese kleinsten Plastikteilchen kann die Anlage nicht aus dem Wasser holen. Aber am Wichtigsten überhaupt ist, dass wir endlich aufhören, das Meer derart zu vermüllen. Denn diese Mengen können auch Tausende von Filtern nicht herausfischen.

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