The Sinking City ist ein Computerspiel über Wahnsinn und Horror in der überfluteten Stadt Oakmont. Inspiriert ist es vom Werk des US-amerikanischen Autors Howard Phillips Lovecraft, der wie kein anderer die fantastische Horrorliteratur geprägt hat. Doch der Autor war auch ein Rassist. Die Spieleentwickler haben das nicht unter den Teppich gekehrt, so Jana Reinhardt, unsere Gameexpertin. Howard Lovecraft selbst wird zwar nicht kritisiert, aber zumindest wird Rassismus im Spiel problematisiert.

Das Spiel The Sinking City ist eine Detektiv-Geschichte mit ordentlich vielen Horrorelementen. Den Privatdetektiv Charles Reed verschlägt es nach Oakmont: Eine Stadt vor rund hundert Jahren, die eigentlich ganz nett sein könnte. Es gibt eine Universität, Parks, Fabriken. Aber es gab eine Flut, die Oakmont ins Chaos gestoßen hat.

Oakmont ist Apokalypse pur

Einzelne Stadtteile stehen noch immer unter Wasser und sind nur per Boot zu erreichen. Seit der Flut liegen überall Fischkadaver herum; Schleim und Verfall; es ist düster und grau. Oakmont ist ein postapokalyptischer Ort. Der jedoch viele merkwürdige Kreaturen anzieht, so Jana Reinhardt, unsere Gameexpertin.

"Es gibt diese wunderbar heruntergekommene Stadt Oakmont. Ich kann den Fisch- und Verwesungsgeruch fast riechen. Diese Stadt habe ich gerne erkundet, auf der Suche nach absurden, gruseligen Kriminalfällen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

Charles Reed ist die Spielfigur in The Sinking City: Schlapphut, Dreitagebart, blutunterlaufene Augen. Er will wissen, was mit Oakmont und all seinen Kreaturen los ist. Dafür befragt ihr im Spiel die Bewohner von Oakmont und ihr müsst recherchieren in den Archiven der Polizei, des Rathauses oder auch des Krankenhauses.

Screenshot aus The Sinking City
Charles Reed ist eure Spielfigur in The Sinking City. Ein Privatdetektiv mit übersinnlichen Fähigkeiten...typisch Lovecraft-Style.

Seid ihr erfolgreich, bekommt ihr Adressen von Personen oder auch Unternehmen, die ihr aufsucht. So könnt ihr ganz Oakmont Spur für Spur erkunden. Ihr könnt überall hingehen. Es gibt ein Hafenviertel, ärmere und reichere Viertel, so Jana Reinhardt.

Aber Charles Reed ist kein normaler Privatdetektiv. Er kann sich in die Vergangenheit zurückversetzen.

"Unser Detektiv hat eine besondere Fähigkeit: Er kann sich an Tatorten zu den wichtigsten Momenten während der Tat zurückversetzen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

The Sinking City ist inspiriert von den Werken des US-amerikanischen Autors Howard Phillips Lovecraft, der entscheidend die fantastische Horrorliteratur geprägt hat. Er hat viele andere Künstler und Autoren inspiriert. Aber sein Werk ist auch problematisch, so Jana Reinhardt. "Nichtweiße werden oft als abartig und primitiv beschrieben. Sie holen durch krasse Rituale das Böse in die Welt." Auch in Briefen und Gedichten habe sich Howard Lovecraft rassistisch und antisemitisch geäußert.

Rassismus wird zum Thema

Die Entwickler bei Frogwares sind sich der Diskussion um Lovecraft bewusst. "Sie haben zum Glück das Thema nicht einfach unter den Tisch gekehrt", sagt Jana Reinhardt. Die Spieleentwickler leben ihre Bewunderung für Howard Lovecraft aus und sie thematisieren seinen Rassismus.

"Man merkt The Sinking City in jedem Moment diese absolute Hingabe zu der Horrorwelt von Lovecraft an. Trotzdem werden Xenophobie und Rassismus nicht einfach weggelassen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

Dennoch wird Howard Lovecraft selbst nicht kritisiert. Ein Disclaimer am Anfang des Spiels weist auf Rassismus und Diskriminierung in der Zeit, in der Howard Lovecraft lebte, hin. Aber allein auf den damaligen Zeitgeist zu verweisen ist schwierig. Der Autor positionierte sich stärker rassistisch als andere das taten.

Aber es gibt einen interessanten Dreh im Spiel. The Sinking City greift die persönlichen, rassistischen Einstellungen von Howard Lovecraft auf und projiziert diese auf die Fischmenschen, die in seiner Geschichte "Schatten über Innsmouth" schon dabei sind. Im Spiel werden die Innsmouther – Weiße – zu einer diskriminierten Minderheit.