Persönliche Hemmschwellen, lange Anfahrtswege oder wenig spezialisierte Experten – es gibt viele Gründe, warum manche Menschen den Gang zur Psychotherapie meiden. In Zukunft könnten Angst- und Panikstörungen zu mindestens ergänzend von Zuhause aus behandelt werden: mit einer App, die eine Krankenkasse gerade gemeinsam mit einer Virtual-Reality-Brille testet.

In Deutschland erkranken mehr als zehn Millionen Menschen jedes Jahr an einer Angst- oder Panikstörung. Das ist in etwa jeder achte Mensch. Doch für viele gestaltet sich der mögliche Start in eine Therapie als schwierig. Denn nicht jeder Mensch gesteht sich ein, dass es ihm psychisch nicht gut geht. Auch lange Fahrtwege, um einen spezialisierten Therapeuten aufzusuchen, sind ein Problem. Eine Smartphone-App soll zusammen mit einer Virtual-Reality-Brille helfen.

"Der Vorteil ist, dass du selber bestimmen kannst, wann und wie oft du die App nutzt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Attraktive Therapieoption

App und Brille sollen Patienten ermöglichen, sich in einer gewohnten Umgebung mit den eigenen Ängsten zu beschäftigen. Behandelt wird mithilfe der sogenannten Expositionstherapie. Stufenweise therapiert die App mit den Dingen, vor denen wir Angst haben und die wir im Alltag vermeiden. Insgesamt acht Stunden Schulungsszenarien beinhaltet die Applikation. Die VR-Brille ergänzt die App zusätzlich um vierstündiges Videomaterial zu Angstszenarien.

"Ich kann mir vorstellen, dass die App für viele die Hemmschwelle senkt, um überhaupt mit ihren Problemen auseinanderzusetzen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Doch nicht jeder kann die App herunterladen. Patienten und Patientinnen der Techniker Krankenkasse haben Anspruch darauf. Vorab muss bei potenziellen Nutzern und Nutzerinnen allerdings eine Angststörung diagnostiziert werden. Hinzu kommen Empfehlungen welche Übungen zu der individuellen Störung passen.

Eine Ergänzung, kein Ersatz

Die App soll eine Gesprächstherapie also keineswegs ersetzen, sondern als Ergänzung dienen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. Von einem Therapeuten werden die Nutzer außerdem zusätzlich betreut. Dieser kann anhand von Fragen, welche die Patienten in der App beantworten müssen, jederzeit unterstützend eingreifen. Wem es während der App-Therapie schlechter geht als erwartet, der kann sich auch akut an eine angegebene Notfallnummer wenden.

Für alle die nicht in der Techniker Krankenkasse sind, gibt es auch andere Apps, die von Psychologen und Psychotherapeuthen entwickelt wurden. Wer sich dafür interessiert, dem empfiehlt unsere Reporterin Martina Schulte, sich bei der eigenen Krankenkasse über eine Kostendeckung zu informieren.