Eine Schlange hält einen Gibbon fest im Griff, doch in letzter Minute kommt ein Mann und rettet den Affen. Hier handelt es sich nicht um eine heldenhafte Rettung - sondern um Tierquälerei. Immer mehr Videos dieser Art tauchen auf verschiedenen Plattformen auf. Youtube hat seine Richtlinien inzwischen angepasst und will solche Videos in Zukunft löschen.

Welpen die Schlangen zum Fraß vorgeworfen werden, Katzen, die in Löcher gesteckt oder verletzt werden, nur um die inszenierte Rettung dieser Tiere später zu filmen und ins Netz zu stellen - um Millionen Klicks zu erhaschen. Tierschutz-Organisationen kritisieren schon lange den gefährlichen Trend.

Tiere in Fake-Videos verhalten sich nicht artgerecht

Die Recherchen von Tierschutzorganisationen wie Lady Freethinker oder Peta lassen vermuten, dass die Tiere allein für diese Videos in Gefangenschaft gehalten werden. Verletzungen und nicht artgerechte Haltung der Tiere würden in Kauf genommen, um ein besonders interessantes Video veröffentlichen zu können.

Ob ein solches Video fake ist, lässt sich aber relativ schnell erkennen, sagt unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. Denn die Tiere verhalten sich oft nicht artgerecht. So wird etwa der Angriff einer nachtaktiven Schlange am helllichten Tag gezeigt.

"Außerdem werden oft dieselben Tiere für viele verschiedene Videos eingesetzt - besonders häufig Schlangen. Sie lassen sich an ihrem individuellen Muster auf der Haut leicht identifizieren."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

In den unterschiedlichen Videos werden oft dieselben Tiere eingesetzt. Das lässt sich leicht an den individuellen Merkmalen der Tiere feststellen, etwa am Muster der Schlangenhaut oder am Fell der Katzen.

Außerdem haben die Tiere oft schon vor dem Angriff Verletzungen: Raubvögel haben etwa gestutzte Flügel, damit sie nicht so leicht wegfliegen können, Schlangen haben oft schon vernarbte Schnauzen - ein Zeichen, dass sie in Gefangenschaft leben und sich etwa gegen die Gefängnisstäbe schmeißen.

Recherchen erhöhen Druck auf Video-Plattformen

Wohl auch aufgrund der Vorwürfe von zahlreichen Tierschutzorganisationen und der medialen Aufmerksamkeit, die ihre Recherchen hervorgebracht haben, hat Youtube als erste Plattform seine Nutzungsbedingungen zum 30. Juni 2021 verschärft: Videos, die solche Inhalte zeigen, sind verboten.

"Zu den verbotenen Inhalten zählen nun explizit: Inhalte, die eine inszenierte Tierrettung zeigen, bei der das Tierwohl gefährdet wird und in denen Tiere von Menschen zum Kampf ermutigt oder gezwungen werden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Bereits im März 2021 hatte Youtube angekündigt, stärker gegen die vermeintlichen Tierrettungsvideos vorzugehen. Das Problem: Diese Videos erreichen Millionen von Klicks und es sind inzwischen so viele, dass Youtube mit dem Löschen kaum hinterherkommt. Immer noch sind viele der Videos verfügbar.

Möglicher Grund ist Wegbruch von Tourismus

Ein Grund, warum es immer mehr solcher Videos gibt, könnten laut Recherchen der Investigativ-Plattform Bellingcat Folgen der Pandemie sein. Sie versuchten mit forensischer Analyse die Herkunft einiger Schlangenkampf-Videos herauszufinden, erklärt Michael Gessat.

Die Vermutung ist, dass sie in einer Gegend in Südkambodscha entstanden sind. Dort sind durch die Corona-Pandemie Tourismus, Produktion und Baugewerbe drastisch eingebrochen. Die Videos könnten eine Möglichkeit sein, verlorene Geldquellen zu ersetzen.
"Wir glauben, dass andere Plattformen jetzt nachziehen müssen. Also insbesondere diese Videos löschen und auch ihre Richtlinien dementsprechend anpassen müssen."
Peter Höffken, Fachleiter des Kampagnenteams von Peta Deutschland
Peter Höffken von Peta Deutschland hält die Verschärfung der Youtube-Richtlinien für einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die Tierquälerei in den Videos. Er findet: Auch andere Video-Plattformen müssen nun nachziehen.

In einem Statement, das unserem Reporter Michael Gessat vorliegt, lehnt jedenfalls auch die Plattform Tiktok "entschieden jede Form von Tierquälerei ab". Die angesprochenen Inhalte seien Tiktok bekannt und würden anhand der Community-Richtlinien geprüft und moderiert Sie würden die Inhalte "auch weiterhin genau beobachten".