Arvid Leyh ist Wissenschaftsautor und Vegetarier. Früher war er überzeugter Tierversuchsgegner. Heute meint er: Wir müssen Tierversuche aushalten, weil wir sie brauchen.

Grausam - aber nicht unnötig, so könnte man wohl die Meinung von Arvid Leyh zu Tierversuchen zusammenfassen. Einfache Antworten zu diesem Thema gibt es nicht, meint er. Im Gegenteil: Die Frage, ob man Tierversuche akzeptiert oder nicht, sei ein ethisches Dilemma.

"Es ist relativ leicht, gegen Tierversuche zu sein, weil es natürlich niemand gut findet, wenn Tiere leiden müssen."
Arvid Leyh ist Wissenschaftsautor und Vegetarier

Arvid Leyh schließt sich da ein: Auch er findet Tierversuche prinzipiell grausam. Ratten etwa, sagt er, lieben ihre Jungen, sie könnten sogar lachen. "Der Unterschied zwischen Mensch und Tier, der ist überhaupt nicht so groß". 

Weil er Tiere nicht leiden sehen will, beschloss er schon vor Jahren, kein Fleisch mehr zu essen - die Bilder von Putenfarmen beispielsweise brachten ihn dazu. Trotzdem - und nun kommt das "aber" - lehnt er Tierversuche nicht ab.

Medizinische Erkenntnis durch Tierversuche

Seit Jahren arbeitet Arvid Leyh als wissenschaftlicher Autor, und irgendwann stellte er fest: So ziemlich alles, worüber ich berichte, basiert auf der Erkenntnis durch Tierversuche. "Immer, wenn wir Wissenschaftsjournalisten uns darüber freuen, was gerade wieder für ein molekularer Schalter entdeckt wurde, dann ist das natürlich Physiologie - und das muss man am lebenden Objekt machen."

Nicht alles kann man mit Zellkulturen testen, sagt Arvid Leyh. Und selbst wenn man für sich persönlich eine bestimmte Haltung gegenüber den Tierversuchen gefunden habe - sobald es um geliebte Menschen geht, sei die Sichtweise eine andere.

"Sobald es einen geliebten Menschen betrifft, kann man sich diese Position, Tierversuche abzulehnen, überhaupt nicht mehr leisten."
Arvid Leyh ist Wissenschafts-Autor und Vegetarier

Verantwortung gegenüber Kranken

"In dem Moment, wo Sie sagen, wir stellen Tierversuche völlig ein, wäre das unethisch gegenüber künftigen Kranken", sagt Arvid Leyh. Tierversuche sind für ihn so zwar ein Übel, ohne das er gerne leben würde - er denkt aber, dass sie dennoch notwendig sind.

Jedes neue Medikament muss nach wie vor am Tier getestet werden, bevor es auf den Markt kommen darf. Ärzte gegen Tierversuche sagen, das verstelle den Blick auf neue Methoden. Arvid Leyh aber meint, an den neuen Methoden könne man parallel weiter forschen. Bislang seien wir noch nicht so weit, dass wir auf Tierversuche verzichten könnten.

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