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Das vor allem bei jungen Menschen beliebte Netzwerk Tiktok hat 2020 über 20.000 Videos gelöscht, die Kindesmissbrauch zeigen. Das sind deutlich mehr als früher.

Das noch als neu geltende, aber schon auf der ganzen Welt verbreitete Netzwerk Tiktok hat einen Transparenzbericht veröffentlicht und Zahlen genannt, wie sehr kritische Inhalte verbreitet sind und wie viele von ihnen wann gelöscht werden.

Eine Zahl, die besonders auffällt: Im vergangenen Jahr wurden über 22.000 Videos gemeldet, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. Die Meldestelle war in diesem Fall das National Center for Missing & Exploited Children in den USA, das als weltweite Referenzstelle für diese Themen gilt.

Starker Anstieg bei Videos von Kindesmissbrauch

2019 waren es noch weniger als 1.000 Videos. Der große Anstieg zeigt wohl zwei Dinge: Zum einen das starke Wachstum von Tiktok, zum anderen die Verbesserung der Technik der Plattform, die automatisch kritische Inhalte findet.

Tiktok nutzt nach eigener Angabe das Microsoft-Tool "Photo-DNA", um bekannte Inhalte zur Ausbeutung von Kindern zu identifizieren und zu entfernen.

Auch in Videos zu sehen: Alkohol, Gewalt, Sex von Erwachsenen

Tiktok gibt an, dass neun von zehn Videos gelöscht werden, bevor diese von Usern angezeigt werden – was nicht heißt, dass die Videos überhaupt noch nicht gesehen wurden, aber zumindest können sie nicht von so vielen angeschaut worden sein. Acht von zehn kritischen Videos werden nach Angaben von Tiktok gelöscht, bevor sie sichtbar werden.

Es gibt außer dem Zeigen sexuellen Missbrauchs auch andere Gründe, die zum Löschen führen – dazu zählen unter anderem: Werbung für Alkohol, nackte Körper von Erwachsenen und sexuelle Handlungen. Auch Gewaltdarstellungen und Mobbing spielen eine große Rolle. "Speziell Tiktok eignet sich für Mobbing gut", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll – weil sich viele auf Tiktok freizügig, offen, manchmal auch lustig präsentieren.

"Tiktok eignet sich gut für Mobbing-Handlungen, weil sich viele auf der Plattform lustig präsentieren wollen und diese Videos dann eventuell später bereut werden. Das kann durchaus für Mobbing-Attacken genutzt werden."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ob 22.000 von Tiktok gemeldete Videos viel oder wenig sind, ist schwer zu sagen. Zum Vergleich: Google meldete im Jahr 2020 rund 4,5 Millionen Inhalte. Googles Angebot ist jedoch viel größer und umfassender als das von Tiktok. Google löscht nicht nur Videos, sondern auch URLs, Textnachrichten, E-Mails, Bilder und Audiodateien.

Interessant wäre die Angabe darüber, wie viele kritische Videos Tiktok von den tatsächlich vorhandenen wirklich findet. In Anbetracht dessen, dass auch Videos gelöscht werden, die von Usern gemeldet werden, dürfte die Quote ziemlich hoch sein. In solchen Fällen haben sich die Videos vor dem Löschen aber schon einige angeguckt.