Bei einer Gewalttat wird Tinas Bruder so schwer verletzt, dass er stirbt. Sie gründet daraufhin einen Verein zur Förderung von Zivilcourage und sagt: Wenn unsere Zukunft besser sein soll als jetzt, müssen wir etwas tun!

Es ist keine Selbstverständlichkeit, einen Verein zur Förderung der Zivilcourage zu gründen, wo es allzu nachvollziehbar wäre, eher Hass- und Rachegefühle in sich zu tragen.

Tina K. aus Berlin hat genau das gemacht, sie den Verein "I am Jonny" gegründet und ist zum Beispiel in Schulen unterwegs, wo sie für ein friedliches Miteinander und das Engagement für eine gute Zukunft wirbt.

"Die Liebe zu uns und zum Leben ist das größte Geschenk."
Tina K.

Dabei hätte Tina gute Gründe, verbittert zu sein. Im Oktober 2012 hat sie ihren Bruder Jonny verloren, der in Nähe des Alexanderplatzes in Berlin einem betrunkenen Freund helfen wollte und dann Opfer brutaler Gewalt wurde: Sechs Täter zwischen 19 und 25 Jahre traten so lange auf ihn ein, dass er im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen starb.

Womit Tina neben ihrer Trauer inzwischen zusätzlich umgehen muss: Die Täter sind wieder auf freiem Fuß, nachdem sie ihre zwei- bis viereinhalb-Jährige Haftstrafe abgesessen haben.

"Mein Bruder war für mich der Wake-up-Call zu sagen: So, wie es jetzt gerade läuft, ist es nicht richtig."
Tina K.

Tina geht mit ihrem Verein in Schulklassen und redet mit den Schülerinnen und Schülern über Zivilcourage und versucht sie zu inspirieren, aufeinander aufzupassen. "Und dann gibt es immer Schüler, die auf uns zukommen und Teil des Ganzes sein wollen", sagt Tina.

"Wenn ihr wollt, dass unsere Zukunft besser ist als jetzt, dann müsst ihr teilhaben, dann müsst ihr aktiv etwas tun."
Tina K.

Tina sagt, Zivilcourage kann aus kleinen Dingen bestehen, etwa jemandem die Tür aufhalten oder helfen, den Kinderwagen zu tragen. In Gewaltsituationen ist das schwieriger, denn niemand solle sich selbst in Gefahr bringen. Was Tina dann empfiehlt: Mitstreiter suchen und Personen konkret ansprechen, zu helfen.

"Jedes negative Gefühl würde den Tätern zu viel Kontrolle über mich geben."
Tina K.