Niemand soll sich selbst in Gefahr bringen. Aber wenn jemand unsere Hilfe braucht, sollten wir trotzdem reagieren. Unsere Reporterin hat ein paar Tipps für uns.

Es ist beruhigend: Wenn jemand in der Öffentlichkeit angegriffen wird, dann gibt es doch eine Menge Leute, die einschreiten. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die Bilder von Überwachungskameras in den Innenstädten von Amsterdam, Kapstadt und Lancaster ausgewertet hat: In neun von zehn Fällen griff mindestens eine Außenstehende oder ein Außenstehender ein, um dem Opfer der Aggression oder Gewalt beizustehen.

In Stuttgart wirbt die Polizei seit heute (29.08.) auf zwei Stadtbahnen für mehr Zivilcourage - im Rahmen der sogenannten "Tu-was-Kampagne" - einer Initiative der Polizei.

Die Polizei will dafür sensibilisieren, dass wir in kritischen Situationen nicht einfach vorbei laufen, sondern hinschauen und uns einmischen, wie unsere Reporterin Rahel Klein berichtet.

"Die Polizei hat sechs Merksätze, an die man sich halten kann. Der erste und wichtigste ist: Hilf, aber bring dich selber nicht in Gefahr!"
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die sechs Tipps der Polizei:

  1. Hilf, aber bring Dich nicht in Gefahr
  2. Ruf die Polizei unter 110
  3. Bitte andere um Mithilfe
  4. Präge dir Tätermerkmale ein
  5. Kümmere Dich um Opfer
  6. Sag als Zeuge aus

Verständlicherweise wird sich wohl niemand mit jemandem anlegen, der aggressiv, größer und stärker erscheint. Das sei auch gar nicht nötig, sagt Gerhard Klotter, Vorsitzender der Kriminalprävention der Länder und des Bundes: "Man muss ja jetzt nicht irgendwie den falschen Helden spielen, sondern man kann sich in der Rolle zurechtfinden, die man auch von seiner Konstitution, von seiner Befindlichkeit spielen kann." Was aber jeder kann: Hilfe holen.

"Jeder kann im Prinzip Hilfe holen: Man kann die Polizei rufen, Hilfe organisieren, indem man andere auf die Situation aufmerksam macht, sie darum bittet, auch aktiv zu werden."
Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Täter sollte man nicht provozieren, man sollte räumliche Distanz wahren und auch verbal auf Distanz gehen, indem man siezt, statt duzt. Denn durch das "Sie" mache man dem Täter und auch Außenstehenden ganz klar, dass man sich "von dem Täter und auch von seinem Verhalten distanziert", wie Gerhard Klotter erklärt.

"Es geht darum, klar und deutlich zu sprechen, es geht darum, sich klar zu artikulieren, Einhalt zu gebieten und vor allem darum, nicht eine Ebene zu schaffen, dass es zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit dem Täter kommen könnte."
Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Was auch wichtig ist: Sich Täter-Merkmale merken, sagt unsere Reporterin. Denn so könne man später vielleicht als Zeuge eine Aussage bei der Polizei machen. "Auch das ist Zivilcourage."

Übrigens: "Wenn jemand wirklich in Gefahr ist, und du nicht mal die Polizei rufst, wenn du es könntest, dann ist das natürlich unterlassene Hilfeleistung", sagt Rahel Klein. Und, was vielleicht auch nicht jeder weiß: Man ist automatisch unfallversichert, wenn man anderen in Gefahr hilft.